Spinner!

Bin ich gern. Das Leben ist oft öde genug. Vieles ist mir zu realistisch. Zu eintönig. Zu wahr. Immer der Wahrheit ins Auge sehen – klar, kann man machen. Ich könnte hier einiges über den neuen Präsidenten in den USA loswerden. Mache ich aber nicht. Ich könnte mich über so vieles aufregen. Na ja, das tue ich ja doch manchmal hier im Blog. Über die Wahrheit meistens. Ich bin nicht der Typ, der die Augen verschließt – auch, wenn es sich so liest. Mir ist einiges klar, was auf der Erde abläuft. Ich versuche öfter mal zu begreifen, die Zusammenhänge. Ist nicht gerade einfach zu kapieren. Auch nicht, wenn man sich den ganzen Tag Nachrichten reinzieht. Die Hintergründe zu raffen, ist kaum möglich. Klar, es geht um Macht und Geld. Macht als Erstes. Das eine geht aber nicht ohne das andere. Was bringt es, wenn ich das hier schreibe? Man braucht nur die Zeitung aufzuschlagen. Nur die Tagesschau anzumachen. Die Hauptaufgabe eines Schriftstellers ist es doch zu unterhalten. Es muss ja nicht blöd sein, was man schreibt. Oder gekünstelt witzig. Man muss nicht versuchen abzulenken. Der Schriftsteller kann Wahrheit mit Fiktion verbinden. Deswegen kann ich nichts mit Fantasy anfangen, ist mir zu fantastisch. Zu irreal. Auf eine andere Art, als meine Gedanken. Meine Gedanken können wahr werden. Die meisten Gedanken können wahr werden, und viele, viele werden es. Sieht man ja beim neuen Präsidenten. Er hat sich das alles Jahrelang vorgestellt. Das ist, so blöd es sich anhört, die Macht der Gedanken. Ich weiß – ist nichts Neues. Weiß jeder, der schon mal eines der vielen Bücher über „Positives“ Denken gelesen hat. Stell dir als inneres Bild dein Ziel vor usw. usw. Macht. Mir geht’s nicht um Macht. Macht interessiert mich nicht. Ich will den totalen Genuss! Materiell unabhängig sein. Das ist doch ein schönes Ziel. Wer will das nicht. Und da braucht mir auch keiner reinzureden. Das ist mein ganz eigenes Ding. Für mich bedeutet finanzielle Unabhängigkeit ein großes Stück Freiheit. Was spricht dagegen? Dass ich mich mit Geld verändere? Klar verändert man sich. Im Leben verändert sich alles jeden Tag. Ach, ist auch jetzt egal. Die Hardcore-Christen könnten jetzt einwerfen, ich bete Geld an. Ich verkaufe meine Seele. Sollen sie doch. Was geht das mich an? Gott weiß, was er an mir hat. Ich fühle mich ziemlich sicher mit ihm. Ich weiß, was ich an ihm habe. Der „Weltbestseller“ muss endlich, endlich veröffentlicht werden. Das wird ein hartes Ding. Ich bin gespannt. Und Spannung ist wichtig. Für alle   !

Viertel vor zehn

Samstagabend.

Schade, bin zu kaputt, um am Roman zu schuften. Es ist schön sagen zu können, Schreiben sei Arbeit. Ist es. Aber bei mir muss man sich das nicht so vorstellen, dass ich eine Kippe nach der anderen rauchend, das Whiskyglas neben der alten Schreibmaschine stehend, zerzaustes Haar, am Schreibtisch sitze und über den Sätzen brüte. Die Zigarette fehlt nämlich. Leider. Ich glaube, Paul Auster, einer meiner Lieblingsschriftsteller, raucht noch. Man kann ihn sich kaum ohne Zigarillo vorstellen. Bei ihm hieß es: Keine Zeile ohne Zigarette oder Zigarillo. Irgendwie gehört doch die Zigarette zum Schriftsteller dazu. Henry Miller hat bis ins hohe Alter geraucht, Bukowski, bis die Sargnägel versenkt waren. Ich habe gelesen, dass Udo mal mit Bukowky telefoniert hat, er wollte sich mit ihm treffen. Hat nicht geklappt, sie hätten sonst bestimmt 100 Zigaretten in ein paar Stunden niedergemacht, klar, und einige Fläschchen. Schade. Udo hätte sicher was zu erzählen gehabt. Hat Kafka eigentlich geraucht? Ich muss ihn unbedingt lesen. James Joyce, Ulysses, habe ich aufgegeben – das Werk raffe ich nicht, da bin ich zu kleingeistig für. Da muss man schon geübter Leser sein. Ich lese viel, aber wie ihr wisst, gern leichte Kost. Ist Kafka leicht? Nein, bestimmt nicht. Hesse finde ich nicht so schwer zu lesen. Magisch auf jeden Fall. Rocko Schamoni lese ich jetzt – wundervoll. Warum habe ich bis jetzt noch nichts von ihm gelesen? „Dorfpunks“ war in aller Munde. Ben Becker hat neulich seinen Fernseher aus dem Schlafzimmer aus dem Fenster geschmissen – sehr gut. Herrlich. Ich kann das gut nachvollziehen. Die größte Verarsche der Menschheit. Nicht alle Sendungen und Filme, sehr gute sind dabei. Aber ehrlich, das meiste kann man sich sparen. Ich höre gern Radio, aber keine Moderatoren, die schon morgens versuchen witzig zu sein und nur Dünnschiss labern. Finden die sich eigentlich selbst witzig oder machen die uns nur was vor? Wie können die ihre eigene Laberei ertragen? Die nehmen bestimmt starke Medikamente gegen sich selbst. Es gibt auch ganz schlechte Komiker. Finde ich jedenfalls. Schrecklich. Aber auch in der Branche sind natürlich Koriphäen zu Hause. Wird das so geschrieben? Koriphäen? Ich glaube schon. Bin zu faul, jetzt nachzuschauen. Kommt da ein Komma hin, vor jetzt? Glaube schon. Deutsche Sprache schwere Sprache. Es gibt kaum jemanden, den ich kenne, der korrekt spricht. Ich auch nicht. Aber meistens fällt es mir sofort auf – aber zack – dann ist es schon zu spät. Ausgesprochen ist ausgesprochen ist ausgesprochen. Ha! Erinnert mich an Gertrude Stein. Selbst in vielen Filmen – ich habs gerade bei einem Krimi im Zweiten erlebt – wird falsch gesprochen. Ich finde, für einen Hauptschüler spreche ich okay. Ich bemühe mich und lege Wert auf Sprache. Sollte man tun als Schriftsteller. Warum sprechen denn so viele Deutsche ihre Muttersprache falsch? Aus Bequemlichkeit? Weil sie es nicht raffen? Es wird kaum Wert auf den richtigen Ausdruck gelegt. Verbessert wird man nie. Man will ja nicht verletzen. Das kann man nur bei sehr guten Freunden bringen. In Deutsch hatte ich meistens eine Vier. In Rechtschreibung eine Zwei. Werden hier „Vier“ und „Zwei“ groß geschrieben? Glaube ja. Kommt vor das ja ein Komma? Nein, muss nicht sein. Da könnt ihr jetzt mal sehen, wie es mir als Schriftsteller geht. Ich will ein Manuskript ohne Fehler abgeben. Gelingt natürlich nicht. Ich überlese ständig Fehler. Viele Flüchtigkeitsfehler. Hier am PC ist das ja nicht das Problem, Korrektur leicht gemacht. An der Schreibmaschine sieht es schon anders aus. Aber ehrlich: Wenn ich so schreiben würde, wie viele, die ich kenne, würde ich es lieber nicht vorzeigen. Ich spiele ja auch keinem was auf meiner Gitarre vor, nur weil ich ein paar Griffe kann. Ach, jetzt halt mal deine Fresse, Alter! Wenn man eine gute Idee für ein Buch hat, sollte man es schreiben – klaro. Es gibt ja Lektoren. Wenn ich an meine ersten Schreibversuche denke (ich rede hier nicht von der ersten Klasse), dann würde ich am liebsten im Boden versinken. Zum Glück sind viele Manuskripte weg. Aber einiges hat überlebt – ich fasse es am liebsten gar nicht an. Soll mal schön in der Kiste bleiben. Na ja, zum Überarbeiten eignet sich was davon. Schreibtechnisch habe ich in den nächsten Jahren genug zu tun. Zum Glück. An Ideen mangelt’s nicht. Was laber ich hier eigentlich so wichtig rum! Ist doch zum Kotzen mit mir! Aber mit dir auch. Ich meine dich, du Typ, der gerade im Radio singt. Nicht auszuhalten. Und der verdient auf jeden Fall viel, viel Geld. Der muss das ja anscheinend gut finden, sonst würde er das Lied ja nicht singen. Und ich wette, der hat’s nicht einmal selbst geschrieben. Ist das Künstlerleben wirklich so hart, wie alle immer sagen? Henry Miller hat in der Gosse gelebt in Paris. Bukowski hat auch einige Nächte auf der Straße verbracht. Ich war schon immer reich. Porsche und so. Ein Manko? Die paar Tage oder Wochen, in denen ich in Berlin nichts zu essen hatte, sind harmlos. Cornflakes trocken und so n Scheiß – klar, hat aber doch jeder Künstler mal durchgemacht. Sollte er jedenfalls. Ich hab mal mit der Sekretärin von Westernhagens Manager gesprochen, 98. Ich sagte, hey, mein Kühlschrank sei leer, Marius müsse unbedingt meine Texte singen. „Da müssen Sie durch, wenn Sie Künstler werden wollen“, sagte sie. Hatte sie recht. Sie hatte etwas sehr wichtiges gesagt: „Wenn Sie Künstler werden wollen!“ Hey, genau, sagte ich mir, ich will Künstler werden! Sie war nett gewesen. Sie hatte auch mit Marius gesprochen über mich, aber Marius meinte, er mache seine eigenes Ding. Mann, war ich wütend. Das konnte ich damals überhaupt nicht verstehen. Sein eigenes Ding. Tss. Der wollte meine Texte nicht. Unverschämt! Dafür hab ich dann ein bisschen bei seinem Anwalt in Hamburg vor der Tür rumgebrüllt. Jaja, die Psychosen, meine alten Weggefährten. Zum Glück fühle ich mich derzeit stabil, auch wenn vieles größenwahnsinnig rüberkommt. Soll es auch. Bringt mir total Laune. Immer klein sein, immer bescheiden – Fuck! So, jetzt habe ich euch genaug vollgetextet an einem Sonntag wie diesen. Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag. Macht was draus. Lasst die Glotze aus. Es soll schön werden.

Bis bald   !

Millionen

Mir ist klar, dass es wichtigere Dinge gibt, als Millionen in den Umlauf zu bringen. Brauch ich eigentlich auch nicht zu erwähnen. Aber Spaß wird es trotzdem machen, das Geld zu verbraten. Ich weiß inzwischen, worauf es im Leben ankommt. Ich weiß nicht alles, schon klar. Brauch ich eigentlich auch nicht zu erwähnen. Aber wenn es um Gesundheit und Familie geht, habe ich ein ausgeprägtes Bewusstsein entwickelt. Nur mal so am Rande. Ein paar Milliarden wären auch nicht schlecht. Nur um mal zu sehen, wie es ist eine Yacht zu besitzen, und ein Haus in Kalifornien. Und eine Wohnung in Siena. Und eine Suite neben Udo im Atlantic. Und irgendwas in Berlin. Mitten drin. Vielleicht sollte ich auch einen Privatjet in Anspruch nehmen. Und natürlich einen Chauffeur, der Tag und Nacht zu erreichen ist. Ein paar Feiern im Monat. Mit den schönsten Frauen und Männern. Models und so. Künstler. Dass das ganze ohne Gesundheit nicht machbar ist – schon klar. Dabei, manisch kann man ja ganz schnell noch viel mehr Geld ausgeben. Da kommen die Ideen, die Milliarden zu verscherbeln, wie angerauscht. Da freuen sich die neuen Freunde. Da mal ein großzügiges Geschenk, und da mal eine Reise usw. Kommt drauf an, wer gerade mein Herz berührt. Wenn mir danach ist, mache ich jetzt schon kleine Geschenke. Gerade so, wie es mir gefällt. Wie es mir möglich ist. Muss ja nichts Teures sein. Aber wenn ich einem Freund eine Wohnung schenke, weil mir danach ist, wird er die schon nicht ablehnen. Oder mal kurz ne Kreufahrt für ein paar Tage mit guten Freunden. Warum nicht. Und nicht nur mein Kind geht vor, da gibt es sooooo viele Kinder. Überhaupt, man kann so vielen Menschen Freuden machen. Da mal ein Brötchen, da mal ein paar Euro, da einen Asphalt und etwas Trinkgeld … Was ist schon dabei! Man braucht sich doch gar nicht über die Schnorrer aufzuregen. Kann man natürlich machen. Man kann aber auch einen Euro verschenken. Man kann auch sagen, wenn ich jedem einen Euro geben würde … Braucht man ja gar nicht. Von wie vielen wird man denn angesprochen, wenn man durch die Stadt geht? Von fünf oder zehn? Und wie oft geht man in die Stadt? Einmal im Monat? Öfter? Weniger? Ich werde jedenfalls – ja, ich werde Oberkapitalist -, ich werde wohl Milliardär. Und meine guten Freunde werden Millionäre. Nur die allerwenigsten aus meiner Familie werden berücksichtigt. Ich provoziere? Gerne. Mach ich doch gerne. Es gibt jetzt schon Neider, obwohl ich erst auf dem Weg zum Ziel bin. Jaja, jetzt kommt: Der Weg ist das Ziel. Schwachsinn – das Ziel ist das Ziel! Es macht mir riesigen Spaß das hier zu schreiben. Dafür nehme ich gern eine Pause für den Roman in kauf. Ich müsste mal meinen Kaktus gießen – der wird in dem blauen Töpfchen immer höher. Der braucht Stoff. Ich fliege auch immer hörer – ich brauche auch Stoff. Pillen heute schon genommen? Ja, Pillen heute schon genommen! Genug? Mehr als genug! Alkohol? Zu wenig – gar nichts. Ob das nun gut ist oder nicht, entscheidet jetzt das Licht! Die halbe Menschheit ist verrückt. Das ist doch wunderbar. Natürlich nicht radikal, fanatisch, totbringend. Aber freundlich verrückt – ich liebe die Menschen, die verrückt sind. Die, die nichts an der Birne haben, sind Langweiler. Laaaaangweilig … Nicht meine Welle. Die Ganztagsfernsehgucker … Nichts für mich. Sollen mal lieber vor der Glotze hängenbleiben. Was Henry Miller am Schrecklichsten fand, sind Menschen, die lebendig tot sind. Und davon gibt es Abermillionen auf der ganzen Welt. Wenn du ums Überleben kämpfst, lebst du. Wenn du den ganzen Tag vollgefressen und vollgesoffen vor der Glotze klebst, bist du tot. Wenn du keine Abwechslung willst, bist du tot. Lest „weg – die kleine Trilogie“ – Herr Schmidt ist das beste Beispiel für das trostloseste Leben, das es gibt. Das Schlimme ist, dass die Geschichte so ehrlich ist. Bloß nichts Neues erleben. Büro, Büro, Büro – nur die Zahlen wechseln sich ab. Band, Band, Band – es sind nur neue Teile, die Arbeit bleibt die gleiche. Und jeden Tag Leberwurst, und überhaupt, immer die gleiche Wurst, der gleiche Käse, das gleiche Bier usw. usw. Immer um die gleiche Zeit der Bus, die Bahn … Ich bewundere die Menschen, die das durchhalten wirklich. Aber so entsteht keine Kreativität im Denken. Alles erloschen. Aufwachen ist angesagt – und dafür brauchen wir DAS BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN!!! Ich glaube, es ist Finnland, wo es als Pilotprojekt läuft. Und die Schweiz ist auch nicht weit entfernt davon. Ist auch egal jetzt. Macht was ihr wollt. Langweilg wird es mir die letzten Jahre mit meinen Milliarden jedenfalls nicht.

Gute Nacht   !

Bescheidenheit

Ehrlich! Ich bin jetzt seit einigen Tagen nüchtern und schaffe es sogar, abends am Roman zu arbeiten. Ich komme gut voran. Das ist eine Menge für mich. Das ist mehr, als ich mir erhofft habe. Ich fühle mich klar. Das heißt nicht, dass ich meine Sucht im Griff habe. Ich kann nicht sagen, wie es in ein paar Tagen aussieht. Ein Glas Wein entspannt und inspiriert auch sicherlich. Hier für den Blog allemal. Die Frage aber ist, was mir wichtiger ist. Ich glaube, zurzeit der Roman. Ich bin schon so weit, habe über 150 Seiten, habe den Anfang des letzten Drittels schon lange überschritten. Ich weiß aber noch nicht so genau, ob alles so hinkommt und sich zusammenfügt, wie ich mir das vorstelle. Hinten wird es vielleicht ein wenig eng und zusammengepresst. Ich werde bald interessierte Leser und Kritiker suchen, die mir ihre Meinung sagen und Anstöße geben. Einen Lektor kann ich nicht bezahlen, also seid ihr gefragt. Und wenn ihr dann begeistert seid, könnt ihr das Buchprojekt auch gern finanziell unterstützen. Ob ihr das Geld jemals wiedersehen würdet, verspreche ich lieber nicht. Ole, meinem Barmann aus dem Havana, kann ich es aber garantieren. Für „weg“ habe ich auch keinen Geldgeber. Für den „Weltbestseller“ sowieso nicht. Das muss schon jemand ganz Beklopptes sein, der da seine Finger mit im Spiel haben will. Aber wenn das Ding durchbricht, in den USA, bin ich der meistgelesene Schriftsteller der Welt. Und der Reichste. In den USA gibt es so viele durchgeknallte Christen, die müssen das Buch einfach gut finden. Gedichte … Reime … Psychoreime …

Meine Frau sagte heute, Bescheidenheit sei eine Tugend. Ich weiß. Heute habe ich für 90 Euro eine ISBN-Nr für „Im Wahn der Zeichen“ gekauft. Ich hätte mir lieber Schuhe kaufen sollen. Da hätte ich was in der Hand gehabt. Und an den Füßen schöne neue Schuhe. Ich liebe Schuhe. Es gibt soooo schöne Schuhe. Wenn ich viel Geld habe, gehe ich ständig Klamotten kaufen. Und die alten T-Shirts kommen alle weg. Und die zerfledderten Unterhosen sowieso. Ich mag es, mich neu einzukleiden. Ich werde mir auch ein neues Auto kaufen. Einen Volvo mag ich. Und dann kaufe ich eine Villa für mich, meine Frau, meinen Sohn, die Uroma und meine Mutter. Und natürlich die Schreibwohnung. Vielleicht auch eher eine Gartenlaube in einer Kolonie. Auf jeden Fall etwas, wo ich drin rauchen werde! Eine Gartenlaube mit Ofen und Strom. Das könnte mir gefallen. Ich werde wohl in Hannover bleiben. Hamburg reizt mich natürlich sehr. Ich würde hinziehen. Aber die Entscheidung liegt nicht allein in meiner Hand. Bescheidenheit … Klar … Wenn ich Multimillionär bin, bin ich ja bescheiden, wenn ich nur ein paar Millionen für eine Villa ausgebe. Und 50.000 für ein Auto. Alle würden natürlich GANZ GANZ VIEL spenden, wenn sie an meiner Stelle stünden. Ich selbstverständlich auch. Ich habe an eine Stiftung gedacht, die zu gründen wäre. Aber das ist mir viel zu aufwändig. Ich unterstütze lieber Stiftungen, die es schon gibt. Es darf kein Druck entstehen. Ich will schreiben, und klar, reisen. Nach Havanna und Hemingways Haus besichtigen. Privatführung durch die heiligen Räume. Und in Key West Florida auch. Da hat er auch gewohnt. Jaja, Bescheidenheit … Ich würde Erste Klasse fliegen. Warum nicht. Das Leben ist kurz. Und wenn man’s sich, wie ich, leisten kann, warum darauf verzichten. Wenn allerdings die Kreativität darunter leidet, ist es schlecht. Glaube ich aber nicht. Und wenn doch, lenke ich mich halt ab. Mit Zigarren, Wein, Whisky … Gutes Essen … Dann mache ich einfach das, wozu ich gerade Lust habe. Zum Beispiel Rum trinken. Verpflichtungen? Ja, meinem Sohn und meiner Frau gegenüber. Schwachsinn: Ich will gar nicht so viele Millionen haben. Manche sagen das ja. Die sind aber WIRKLICH sehr bescheiden. Und nicht ganz dicht! Können sie ja alles verschenken. Tut ja keinem weh. Machen sie ja sowieso, ist ja klar. Spenden. Die Famlie zuerst. Sowieso. So, jetzt wisst ihr erst mal Bescheid. Bis zum nächsten Mal, euer Weltbestseller-Autor   !

Samstagabend / Montagabend

Es ist acht Uhr. Ich erhole mich gerade (wieder), der Wein gestern kam nicht so gut. Hat auf den Magen geschlagen – besser gesagt, durchgeschlagen. Also trinke ich heute Rum-Cola, softe Mischung, nur für das gute Gefühl. Klar, auch die Sucht befriedigen. Aber das geben ja die wenigsten zu. Ich will heut aber auch gar nicht über Sucht schreiben, viel lieber mal wieder Blablabla. Ich merke, das es mir zunehmend schwerer fällt, hier mit dem Blog am Ball zu bleiben. Ich erwarte von mir fast jeden Tag einen Text. Es ist etwas Druck entstanden. Nicht so ein Druck, der mich krank machen würde, nur ein Druck, dass ich dem Leser gerecht werden muss. Muss ich ja nicht, das ist mein Ding. Es ist Training für mich, hier zu schreiben. Es ist auch Training für mich, meinem Sohn jeden Abend vier Geschichten zu erzählen. Natürlich wiederholen sie sich öfter mal. Ich bin jetzt fast versucht, am Roman zu schreiben. Ob ich es riskiere? Samstagabend … Ich schalte mal kurz um. Bin gleich wieder da!

Immerhin 602 Wörter geschrieben. Besser als nichts. Ob’s gut ist, werde ich spätestens Montag sehen, wenn ich’s noch mal lese.

Der Rum tut gut. Ich finde, jede Alkoholart wirkt anders. Klar, besoffen machen alle irgendwann. Aber darum geht’s nicht. Es geht mir um den zarten Rausch. Klugscheißer.

Montagabend

Ehrlich: MANDELENTZÜNDUNG mit Fieberschüben!!! Mein Sohn hat mich angesteckt. Penicillin – zehn Tage. 10 Tage keinen Alkohol? Mal sehen. Nächste Woche Donnerstag fahre ich nach Stuttgart, hab schon ein paar Bars rausgesucht, wo ich Zigarre rauchen darf. Aber mehr dazu werdet ihr noch erfahren. Das Kunstwerk Udo raucht ja ÜBERALL Zigarre, sogar beim Arzt … Kann ich ja auch mal machen … Einen schönen Abend noch …

Freunde

Ein wundervoller Abend beginnt. Der erste Schluck Wein ist getrunken, das Licht gedimmt, die Uhr tickt im Takt. Die letzten Tage waren nicht die besten, die nächsten werden besser. Heute möchte ich etwas über Freundschaft schreiben. Ich wurde darum von zwei Leserinnen gebeten.

Mit Freunden teilt man Leid und Freude. Wenn es einem schlecht geht, sagen sagt man: „Siehst du, daran erkenne ich jetzt die richtigen Freunde. Sie sind für mich da!“ Ich sage: Freunde müssen genauso da sein, wenn es einem gut geht. Es ist doch zu schön, seine Freude mit einem guten Freund auszuleben, sich gemeinsam über ein Ereignis oder sonst was zu freuen. Gemeinsam freuen macht Spaß, es ist wundervoll, wenn zwei oder mehr Menschen über dieselbe Sache lachen. Nicht nur jemanden anrufen und ihn mit dem großen Leid vollsülzen. Nicht nur über Krankheit reden. Über Weltschmerz. Über Kriege und negative Nachrichten. Selbstmitleid will niemand hören. Ich weiß, ist leicht gesagt, ich neige auch dazu, mich zu bemitleiden. Aber das bleibt zumeist an meiner Frau hängen. Was ich von einem Freund aber erwarte, ist, dass er mich fragt, wie es mir geht. Ich habe einen „Freund“, den ich jedes Mal frage, wie es ihm geht. Die Gegenfrage kommt so gut wie nie. Statt dessen erzählt er nur von sich. Anstrengend. Und fange ich mal ein Thema an, erzählt er schon wieder nur über sich. Der rafft es einfach nicht. Ich mag ihn trotzdem. Ich würde mir wünschen, dass mich mal jemand anruft und sagt: „Hey, mir gehts so gut! Wann treffen wir uns? Wo gehen wir hin?“ Oder: „Hast du Lust vorbeizukommen?“ Oder: „Was hältst du davon, wenn ich dich heute besuchen komme?“ Davon gibt es ehrlich gesagt in meinem Freundeskreis (der äußerst klein ist) kaum jemand. Die Spontanität geht bei den meisten Menschen mit dem Alter verloren. Leider. Bei mir allerdings auch. Aber ich möchte wenigstens noch so gern. Ich glaube, wenn Moritz selbständiger ist, lege ich noch mal voll los. Party feiern, spontan nach Berlin und Hamburg rauschen und die Tassen hoch. Geld muss natürlich mitspielen … Lassen wir das Thema für heute.

Freundschaften müssen sich einigermaßen ausgleichen. Es ist ein Geben und Nehmen. Man kann nicht nur geben. Das nervt. Immer Probleme reinziehen, Ratschläge versuchen zu erteilen, da wird man ja selbst ganz krank. Einseitige „Freundschaften“ sind fatal. Der eine denkt, er sei dein Freund, dabei ist er für dich nur Balast. Man sollte sich seine Freunde gut aussuchen. Klar, immer mal wieder ist ein Griff ins Klo dabei. Und nicht immer stimmt der erste Eindruck. Meistens schon, aber nicht immer. Das meine ich negativ sowie postiv. Die beste Freundschaft muss nicht zwangsläufig eine ganz langjährige sein. Ich lerne immer gerne neue Menschen kennen. Aber halt! – Von den ganz alten Kumpels, nun mehr um 30 Jahre, sind nur zwei übrig geblieben. Man lebt sich auseinander, verfolgt andere Interessen usw. Was mich ankotzt, ist dieses einseitige Melden. Man ruft zigmal hintereinander an. Und lässt man es dann, kommt Jahrelang gar nichts. Das verletzt. Ich habe es ein paar mal erlebt. Geben und Nehmen. Natürlich ist es auch so, dass man eine Freundschaft daran erkennt, dass man sich nach Jahren des Nichtsehens noch genauso gut versteht wie bei dem letzten Treffen. Freundschaften können ruhig intime Gespräche beinhalten, finde ich.

Aber ganz ehrlich: Meine Frau ist mein bester Freund, Tippgeber, Kritiker. Die besten Freunde verletzen einen aber auch am leichtesten. Ein falscher Spruch und man regt sich tagelang auf. Man glaubt, es zerreißt einem das Herz. Ach scheiße, ich schreibe hier alles durcheinander. So ist also mein durchstrukturiertes Leben. Prost! „Jonny Walker, du bist mein Bester Freund!“ Marius – hat er für seinen Vater geschrieben, der Trinker war. Aber ich trinke hier Wein. Freunde … Man sollte nicht sehr lange nachtragend sein. Verzeihen.

Auf Freunde muss totaler Verlass sein. Wenn mir ein Freund zusagt, zu helfen, erwarte ich seinen Einsatz. Von mir kann er das natürlich genauso erwarten. Ich bin spießig. Ich lege Wert auf Pünktlichkeit. Ich hasse es, wenn Menschen zu spät kommen. Spießiger geht nicht, ich weiß. Deutscher auch nicht. Ich schweife ab. Ich schweife immer ab.

So versuche ich jetzt noch einmal kurz zusammenzufassen:

Geben und Nehmen. Freude und Leid. Reden. Verlass. Verzeihen. – Das ist es doch im Grunde schon.

Ich jedenfalls habe ein paar sehr gute Freunde. Viele sind es nicht. Aber es reicht Masse. Früher waren es vier oder fünfmal so viele. Ich liebe meine Freunde. Wenn ich jeden von ihnen einmal im Monat treffe, macht mich das glücklich, zumindest zufrieden. Blablablablablabla …

Bis denne   !

Vertrauen habe ich vergessen! Ganz wichtig. Er muss dir vertrauen können und du ihm selbstverständlich auch.

Bin wieder da!

Fast wäre ich gestorben – hat nicht mehr viel gefehlt. Ehrlich. Aber meine Frau sagt: „Henning, das ist nur Magen-Darm!“ Das sagt sie so einfach. Sie ist ja auch eine Frau. Bei denen ist das ja auch alles nur halb so schlimm. Wir Männer haben ECHTE Krankheiten.

Es ist morgens, gleich zehn. Ich bin wenig inspiriert, so wie die letzten Tage auch. Mit einer so schweren Krankheit ist es auch schwer, in einen Schreibrausch zu kommen. Der Roman liegt jetzt schon wieder seit 4 Tagen auf Eis, so wird das nichts mit den Millionen dieses Jahr.

Ich erwarte den Abend und hoffe auf neue Ideen   ! Bis denne

Was beschäftigt mich?

Was beschäftigt mich? Es sind natürlich die für mich alltäglichen Dinge. Achtmilliarden Menschen – alle denken anders. Für jeden gestaltet sich der Alltag individuell. Jeder fühlt anders, handelt anders, sieht anders. Jeder aus seiner Perspektive. Für den einen ist sie die schönste Frau der Welt – für den anderen ist sie nichts Besonderes. Und jeder sollte seine Meinung frei äußern dürfen? Ist das eine Frage? Wir werden jeden Tag beeinflusst – durch die Familie, Freunde, Medien, Natur, durch die ganze Welt, die uns umgibt. Die Umwelt. Viele halten die Nase Richtung Wind. Sie trauen sich nicht, ihre Meinung zu äußern. Sie dürfen nicht. Oder sie wollen es nicht. Oder sie haben keine eigene Meinung. Sie wollen nicht auffallen, schwimmen mit, halten eben die Nase in Richtung des Windes. Auf diese Menschen hoffen die Politiker, auf die Stillschweigenden, auf die, die sich anpassen. Wieviel Gegenwind man bekommt, wenn man seine politische Sympathie zum Ausdruck bringt. Man sagt etwas und steht einer Diskussion gegenüber. Man wird angegriffen. Dürfen wir uns nun frei äußern oder nicht? Nein, dürfen wir nicht. Und ehrlich, manchmal ist das auch gut so. Wenn sich jeder frei äußern dürfte, könnten wir bald in Massen rechtsradikale Hetzblätter übers Internet kaufen und es würde Propaganda-Radio- und Fensehsender geben. Moment. Sich frei zu äußern oder „nur“ seine Meinung zum Ausdruck zu bringen, ist ja noch ein Unterschied. Man darf sagen: „Ich wähle rechts.“ Dafür wird man nicht verurteilt, von keinem Gericht jedenfalls. Von mutigen Menschen zum Glück schon. Von Menschen, die eine andere Meinung haben und damit nicht hinterm Berg halten. Sie vertreten ihre freie Meinung öffentlich. Künstler sind gefragter denn je. Politiker sowieso. Die Kirche! Wo ist die Kirche? Wo sind die Christen, die Nächstenliebe predigen? In ihren Kirchen, wo sich immer weniger Menschen hinverirren, wo der Pfarrer oder Pastor predigt, was vor 2000 Jahren los war. Heute finden ebenfalls Kreuzigungen statt, nur in anderer Form. Kopf ab. Spritze. Elektrischer Stuhl … Es müssen Versammlungen stattfinden. Viel mehr Menschen müssen auf die Straße gehen und für Frieden demonstrieren. Und zwar jetzt, nicht, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Ich habe keine Ahnung von Politik, ich wüsste nicht, wie ich in den meisten politischen Situationen handeln würde oder müsste. Aber ich weiß, was ich moralisch vertreten kann. Das Gewissen spielt mit. Wenn ich ein Kind sehe, das auf den Schultern eines Vaters oder einer Mutter aus einem Schutt- und Leichenmeer gekrochen kommt, fühle ich Mitleid. Wenn das Kind Glück hat, ist es der eigene Vater oder die eigene Mutter, die es trägt. Und wohin? Da ist ja nichts mehr. Kein Haus, kein Geschäft, kein Arzt, keine Familie … Nur Schutt und Asche und Blut und Leichen. Ich würde auch versuchen in ein Land zu gehen, wo nicht geschossen wird. Man würde doch hoffen, dass es eine bessere und vor allem eine friedlichere Welt gibt. Wer weiß, vielleicht müssen wir ja selbst einmal flüchten. Klar könnte man jetzt sagen: Aus dem eigenen Land! Was heißt hier überhaupt „eigenes Land“? Ach, lassen wir das. Aber ehrlich: Es ist schwer, ohne Vorurteile zu leben. Ich schaffe das nicht. Mir machen viele Menschen Angst. Deutsche sowie auch Ausländische. Und es werden leider immer mehr, weil es immer mehr Menschen gibt, die sich unmoralisch beeinflussen lassen, immer mehr Extremismus und Radikalismus in die Welt tragen.

Ich könnte hier weiter einen Larifari-Blog schreiben. Bla, bla, bla. Ihr wisst, ich mag das. Bla, bla, bla. Das sind mir auch die liebsten Bücher. Larifari-Bücher. Sicher, ich werde auch weiterhin feiern, feiern, feiern. Spaß haben, lachen, trinken, rauchen. Aber die Lage ist ernst. Wir neigen dazu, zu viel zu unterschätzen. Doch nur so lange, wie wir selbst nicht direkt betroffen sind.

Es ist jetzt Viertel vor zehn am Abend. Ich öffne gleich die Flasche Wein und schenke das Glas voll. Und dann lese ich diesen Text in aller Ruhe noch mal. Und morgen gibt es bestimmt wieder mehr Bla, bla …

Sonntagabend

Sonntags habe ich füher fast nie geschrieben. Manchmal war es Aberglaube, vielleicht wollte ich aber auch nur einen Tag frei machen. Aber irgendwie auch nicht immer freiwillig. Sonntags floss es nicht, ist eigentlich bis heute so geblieben. Der Sonntag ist zum Relaxen da. Selbst Gott hatte damals, am 7. Tag, kein Bock auf Stress. Lieber ein bisschen auspennen und Kuchen naschen. Manchen bleibt nichts anderes übrig – sie müssen am heiligen Sonntag arbeiten. An dieser Stelle sende ich euch mein Mitgefühl. Ich kenne von früher extrem langweilige Sonntage, gerade in den Zeiten des Singledaseins. Dazu am besten noch graues, trübes Wetter. Nicht gerade fröhlich machend für einen Melancholiker. Selbst Trinken machte keinen Spaß. Es heißt ja auch: Eben ein typischer Sonntag. Fernsehn kann anöden. Gespräche können ausgehen. Es regnet, stürmt und schneit, doch man will ja eigentlich sowieso nicht vor die Tür. Man fühlt sich nicht. Das Zimmer, in dem man wohnt, ist erdrückend, noch dunkler als draußen, das Fenster zu klein. Die Telefonate sind düster, keiner weiß so recht, was er sagen soll. Also bla, bla, bla. Danach geht’s einem auch nicht besser. Da wäre es doch ganz gut, wenn man wie Udo in einem großen Hotel leben würde. Immer neue Leute, ein Raucherraum wie in der Psychiatrie, wo die besten Gespräche stattfinden. Psychiatrie Atlantic, sehr sympathisch. Die Langweile vergeht, vielleicht. Bestimmt nicht immer. Auch nicht mit Alkohol. Vielleicht gerade mit Alkohol nicht. Gibt es Menschen, die nie traurig sind? Ich weiß es nicht. Einen guten Film schaltest du aus, du kannst ihn gerade nicht ertragen. So geht’s mir heute Abend, am Sonntag, in meinem Zimmer. Die Uhr macht tick-tack, es ist halb acht, mein Sohn liegt im Bett und schläft. Und ich kämpfe mir hier einen ab. Man merkt es. Schwache Sätze. Keine Ideen. Es fließt nicht. Nicht einmal der Rotwein schmeckt. Egal, ich trinke ihn trotzdem. Eine Zigarre würde guttun. Einfach abhängen und rauchen. Am besten unter Leuten. Aber mein Haus ist kein Hotel, und einen Raucherraum gibt es schon mal gar nicht. Schade. Aber jetzt drehen wir den Spieß mal um:

Guten morgen, liebe Leute! Ich wünsche euch einen wunderbaren Guten Morgen! Schaut aus dem Fenster, freut euch über den Schnee – und kotzt drauf … Hm, klappt nicht so gut. Eigentlich ist es eine Unverschämtheit, so etwas zu posten. Ich will euch nicht vergraulen. Vielleicht fällt mir ja morgenfrüh etwas Schöneres ein. Bis denne   !

Bukowski-Verschnitt

Mit Gedichteschreiben und Briefe verfassen vertreibe ich mir die Abende. Also damit, womit man kein Geld verdient. Ich bräuchte aber ein bisschen Geld. Mal für ne Kneipe, mal für n Hamburger, n paar Whisky-Cola. – Na ja, heute habe ich Zeit und Geld! Ich gehe zu Ole ins Havana. „Ach du Scheiße“, werde ich begrüßt. „Der Bukowski-Verschnitt. Willste boxen?“ – „Was?“ – Na, Buk hat doch auch immer geboxt!“ – „Ach, fick dich und lass mich trinken!“ – „Hä?“ – Mir ist das zu blöd, und bevor ich bestelle, setze ich mich aufs Fahrrad und fahre zu Bernie. „Ach du Scheiße“, werde ich begrüßt. „Du wagst dich hier noch her? Deine Lesung war der letzte Scheiß, du Möchtergern-Bukowski!“ – Ich fahre mit dem Rad zum Kiosk. Den Kioskmann kenne ich nicht, er mich auch nicht. Ich kaufe mir eine schwarze Dose, fahre weiter nach Hause und lese Hemingway   .

Null und nichtig

Freitagnacht geschrieben – Sonntagmorgen gegengelesen

Wie schnell kann sich das Leben ändern. Keiner ist vor einem Unglück gefeit – jedem kann jede Sekunde etwas zustoßen. Im Verkehr reißt einer das Lenkrad wegen eines Vogels rum und knallt in deinen Wagen; du stolperst und fällst auf den Kopf; stürzt mit dem Fahrrad; bekommst die Diagnose Krebs oder sonst was Lebensbedrohliches. Alles ist mit einem Schlag anders. Ein geliebter Mensch erleidet einen Schlaganfall und ist gelähmt oder stirbt. Ein Amokläufer löscht das Leben deines Kindes aus. Dein Haus brennt ab. Zufall? Man mag es kaum glauben. Schicksal? Einfach Pech? Man fragt sich: Warum gerade ich? Oder: Warum gerade er oder sie? Das Leben ist ungerecht.

Menschen müssen aus ihrem Land flüchten, Kinder sind plötzlich auf sich allein gestellt, weil die Eltern getötet wurden. Worauf ich hinaus will, ist, dass es so viele Dinge im Leben gibt, die EIGENTLICH kaum von Bedeutung sind. Die uns aber dennoch aufregen, worüber wir streiten, sogar krank von werden. Oft Kleinigkeiten.

Mich hat damals, 1990, der erste Klinikaufenthalt aus dem Leben gerissen. Ich hatte mit der Psychose und den Depressionen danach über ein Jahr lang zu kämpfen. Ich musste vieles wieder neu lernen. Einkaufen, Unterhalten, Lachen, den Körper stabilisieren, mir selbst vertrauen, Gefühle entwickeln und natürlich für mich sorgen. Es gelang alles mit der Zeit. Aber was ich vor allem durch meine Niederschläge gelernt habe, ist, mich über Kleinigkeiten zu freuen. Über einen schönen Geruch zum Beispiel, von frisch gemähtem Gras oder einer geschälten Mandarine. Ich freue mich über einen leichten Wind im Sommer, über die ersten Krokusse und Osterglocken, dann die Tulpen, die warmen Tage. Ich freue mich auch im Winter über den kalten Schnee und dazu den Sonnenschein. Ich freue mich über ein neues T-Shirt, eine Hose, also auf jeden Fall auch über materielle Dinge. Ich freue mich über ein Lächeln, das mir jemand zuwirft. Über einen interessanten Kommentar hier im Blog. Über einen Gruß. Über so viele Kleinigkeiten, dass sie gar nicht aufzuzählen sind. Besonders freue ich mich, wenn ich kreativ war. Usw usw. Es gibt Hunderte Beispiele.

Befindet man sich plötzlich in einer schwereren Krankheit, wird einem hoffentlich bewusst, wie wertvoll das Leben ist, dass es an einem seidenen Faden hängt, dass wir Mikroben sind, die das Glück haben, für einige Zeit hier sein zu dürfen. Auf einmal ist das Auto, das Haus, die Geliebte, der Beruf null und nichtig. Nichts davon zählt noch. Es geht nur ums Überleben. Darum, gesund zu werden, jedenfalls einigermaßen. Dankbar können die Menschen sein, die Hilfe bekommen. Doch wie viele Menschen sind allein. Millionen haben keine Familie, die zu ihnen steht.   Wir sollten die Augen aufmachen, uns klar darüber werden, dass dieses Leben das einzige ist. Klar, ich kann reden und reden und schreiben und schreiben – und was mache ich? Nichts! Was bedeutet es schon, hier die Fresse aufzureißen und selbst nicht zu helfen! Was bringt es denn, anderen Ratschläge zu erteilen und sich wahrscheinlich noch gut dabei zu fühlen. Schön von sich ablenken. Immer große Schnauze. Tss.

Sowieso sind immer die anderen schuld. Ich nie! Die Politiker! Die Herrscher! Die Mächtigen! Nie wir, ist ja klar. Man kann sich so sehr über andere aufregen, dass man beginnt zu hassen. Die anderen, dann vielleicht sogar sich selbst. Und dann kann man ja mal einen Krieg beginnen. Warum nicht. Man hat sich ja die Macht verdient. Und die muss man auch ausleben, ist ja klar. Einen Krieg kann man natürlich auch anzetteln, wenn man sich abgöttisch liebt, wenn man Narzist ist. Machtgeile Menschen sind fast immer Narzisten. Müssen sie sein. Sie finden sich, ihre Position und ihre Ideen unantastbar und wenn man diese Menschen kritisiert, nicht einmal sie persönlich, nur ihre Ideen, ihre Pläne, wird man eingesperrt, gefoltert oder im schlechtesten Fall zum Tode verurteilt. Gleich nebenan.

Wir Künstler sind dazu aufgefordert, uns zu verbünden, zu vereinigen, gemeinsam Konzerte zu geben, Leseveranstaltungen zu organisieren, wachzurütteln, uns selbst als erstes. Wir sollten nicht auf unserem Geld hocken und denken, gut dass ich es habe. Geld muss unter die Leute, nicht auf die Bank. Was willst du mit mehr, als du ausgeben kannst? Vielleicht möchtest du deinen Kindern und Enkelkindern noch etwas vererben. Und was machst du mit dem Rest? Gib es aus, so lange du noch wirklich lebst. Ehrlich. Wann hast du zum letzten Mal ein Straßenmagzin gekauft? Weißt du es noch? Wann dem letzten Bettler etwas gegeben? Nee, da muss man sich drüber aufregen, über die Penner und Schnorrer, ist ja klar. Der versäuft das Geld doch sowieso! MEIN Geld? Nie im Leben! Da verbrenne ich es lieber. Fick dich, du armer Wicht! Zufall, dass du hier geboren bist oder nicht? Hä? Zufall, dass du nicht In Syrien, Lybien, im Sudan, im Irak, in Afghanistan … lebst? Nee, du bist ja was Besseres. Was Besonderes. Du bist ja Künstler. Du bist ja Manager. Du bist ja Millionär. Du hast es dir verdient. Jedem das, was er verdient. Und wir Deutschen haben es verdient, dass wir nicht verhungern und verdursten. Wir sind nun mal göttlich, und da wir göttlich sind, gibt es hier auch Trinkwasser. Afrikaner haben es nicht verdient zu trinken. Sie müssen veredrecken, verdursten, verhungern. Auch Kinder. Diese unkultivierten, primitiven Völker, die nur rumficken. Komm, schenk nach, mein Glas ist leer. Danke, schmeckt gut. Prost. Ja, wünsche ich dir auch. Nee, ehrlich. Klar hab ich das bar bezahlt. Alles! HA-HA-HA … Finde ich auch. Hol noch einen aus dem Kühlschrank. Nee, aus dem anderen. Nee, den da hinten. Und Eis. Champagner ohne Eis ist nichts wert. Ja, ich bin Kenner. Ja, schon immer. Ich? Ich fliege wie immer in den Süden. Klar, drei Wochen, muss mal raus, ab ans Meer, tauchen und so, einfach mal raus, entspannen, mal nicht das Büro sehen. HA-HA-HA … Komm Alter, schenk nach. Jo, danke. Man, wie der schäumt. Komm, wir rufen uns noch zwei, drei Nutten. Ach, die kriegt das nicht mit. Blödsinn. Die sind wie unsichtbar. Die sind gar nicht hiergewesen. Quatsch. Immer. Meine Latte steht immer. Na gut, wie du willst. War ja nur ein Angebot, nur ein Angebot. Die sind aber wirklich gut. Nein? Okay, kann ich verstehen. Du liebst sie. Bist du sicher? Dann fahr jetzt zu ihr. Ich ruf dir ein Taxi. Jau, machs gut. Und gib nicht so viel Trinkgeld! HA-HA-HA …

Ich könnte stundenlang fortfahren. Kriegt das nicht in den falschen Hals. Schnürt euren Hass zu einem Packen zusammen und schmeißt ihn über Bord. Wisst ihr, es gibt so viele lächerliche Menschen, die, das ist das Schlimme, nicht lächerlich sind, sondern brutal.

Ich hätte Lust, jetzt feiern zu gehen. Es ist zwölf. Im Radio läuft Jazz und so was. Davon versteh ich nichts. Ist aber schön. Vielleicht sollte ich öfter mehr trinken und Jazz hören. Ist ja Wochenende. Merlot, heute französisch, 2,49. War im Angebot. Ach, ich würde gern Wein ab 40 Euro kosten, die Winzer müssen ja schließlich auch leben und wissen, dass sie fantastische Weine erzeugen. Ist aber ein anderes Thema. Guter Whisky hat auch seinen Preis, eine gute Zigarre natürlich ebenso. Wenn ich Millionär bin, werde ich nicht auf Luxus verzichten, um gut dazustehen. Ich lebe die Millionen voll aus. Alles wird verjubelt. Alles kommt unter die Leute. Projektmäßig. Wir werden es erleben. Ich bin gespannt. Gute Nacht   !

Nichts von dem, was hier steht, ist null und nichtig … nur am Thema vorbei manchmal. Das Leben ist sooooo wertvoll. Schätz es   !