Alles hat seine Zeit

27.4.17

Ein wenig deprimiert zu sein, heißt nicht, depressiv zu sein und sich in den Tod stürzen zu wollen. Antriebslos, die Stimmung unten, man möchte sich verkriechen und nicht sprechen, vorübergehend, hofft man, kann aber kaum dran glauben, hofft trotzdem auf morgen, auf einen heiteren Tag. Doch die meisten von uns müssen funktionieren, ihren Verpflichtungen und Aufgaben nachkommen, es hilft nichts, da muss man durch, es bleibt keine Zeit den Kopf in den Sand zu stecken. Wie gern würde ich jetzt am Buch schreiben, aber ich kann mich nicht aufraffen, die Konzentration wäre zu hoch, die Worte zu tief, nichts würde dabei rauskommen als noch deprimierter zu sein. Vielleicht hilft ein Glas Wein, vielleicht, ich werde es versuchen. Ich könnte mich jetzt auch einfach raussetzen und ne Zigarre rauchen, ins Nichts gaffen, vielleicht zwei, drei Worte ins Tagebuch kritzeln, mit denen ich aber auch nicht zufrieden wäre. Dann würde ich vielleicht den einen oder anderen anrufen und merken, dass ich gar nichts zu sagen hätte, mich würde das Gequatsche, das ich mir dann anhören müsste, schon nach einer Minute auf den Sack gehen und ich würde es bitter bereuen, die Nummer gewählt zu haben. Hm, und garantiert wäre ich noch deprimierter, und vielleicht würde die Zigarre nicht mal schmecken, und mir wäre kalt, schrecklich kalt.

Der Wein schmeckt so lala. Aber er wirkt immerhin, loslachen kann ich trotzdem nicht. Worüber auch. Über mich selbst womöglich, das ist schön, wenn man das kann. Manchmal gelingt es. Gehe ich jetzt eine rauchen? Was bringt es mir? Mache ich Musik an? Dann ist die Konzentration ganz am Ende, dann kann ich nicht einmal hier einen vernünftigen Text zustande bringen. Wäre doch schade. — Heute war ich bei meiner Psychiaterin und habe mit ihr über die Reduzierung meiner Medikamente gesprochen. Ja, man könnte es mit dem Antidepressivum probieren, ganz langsam, stufenweise. Und dann auch mit dem Lamotrigin, das mich so müde macht. Ausschleichen, über Monate, das Zeldox sollte ich aber weiternehmen. Das Antidepressivum hellt die Stimmung auf, das Lamotrigin allerdings auch, soll aber auch ne grade Linie bringen, ich bin also wohl von Natur aus ein ziemlich deprimierter Mensch, melancholisch allemal. Ich kann mich ja selbst ein bisschen matern und melancholische Musik hören. Na ja, reicht schon, dass ich das hier schreibe. Mumpitz – was für ein schönes Wort. Ich schenk mir noch einen ein, jetzt könnte ich schreiben, man weiß ja nie, ob’s der letzte ist. Nein, wirklich, so tief geht’s  nicht runter. Wenn ich aus dem Fenster schaue und sehe, dass es um zehn vor neun noch einigermaßen hell ist, denke ich, jawoll, der Frühling ist da, der Sommer naht. Wisst ihr was, ihr kriegt jetzt noch die Wochenend Jack Daniel’s-Story, nee, Gedicht, und dann ist auch mal gut für heut.

ZEIT

Ich betrete deine Welt. Ich betrete deine Zeit. Du betrittst meine Zeit. Alles hat seine Zeit. Ist nicht von mir. Du hast deine Zeit, und ich habe Zeit für dich, ich nehme sie mir, und du hast immer Zeit für mich. Immer! Du stehst überall im Angebot. Nein, bei Rossmann nicht. Bei Aldi auch nicht. Kein billiger Ersatz. Verschworen. Männlich. Schwul. Jack … Jack … Ich strecke meine Hand nach dir aus   .

Tja, jetzt war ich doch ne Zigarre rauchen, und ja, ich habe auch telefoniert, mit einem guten Freund, mit einem, der auch mit Depressionen zu tun hat bzw. hatte. Momentan gehts ganz gut. Dank Medis, klar. Es gibt ja immer die schlauen Sprüche: Reiß dich mal zusammen! Ich hatte auch schon dunkle Tage! Ich war auch schon mal zwei Monate depressiv! Ich habe auch schon mal drei Monate ein Antidepressivum genommen und weiß wie das ist. Scheiße, jaja, blablabla. Die Leute, die so n Scheiß erzählen, sollten lieber die Fresse halten, besser gar nichts zu diesem Thema sagen. Die wirklich Kranken haben meist seit der Jugend … nein … lassen wir das. Ich kann mir da nichts anmaßen. Ich mach jetzt auch Schluss. Auf jeden Fall, vielen Dank, dass du mir zugehört hast   !

28.4.17

Guten Abend oder Guten Morgen!

Manchmal weiß man nicht, ob es morgens oder abends ist, jedenfalls dann, wenn man ein Leben als durchgeknallter Künstler lebt. Künstler sind oft Nachtmenschen, ich würde auch zu einem werden, wenn ich keine Struktur hätte, und das, obwohl ich mehr am Morgen schaffe. Sagen wir lieber, Sachen, die man gebrauchen kann, nein, mit denen man etwas anfangen kann, brauchen tut meinen Kram keiner. Oder ziehst du dir gern so depressives Zeug rein? Ich kann mir vorstellen, dass du sagst, nein danke, ich nicht mehr, warum soll ich mir den Scheiß geben!? Mein Leben besteht aus Phasen, momentan anscheinend eine etwas … na ja, ich will nicht sagen, traurige … wütende Phase eher, wütend auf alles mögliche. Mich nervt so vieles, dabei sind es meistens nur Kleinigkeiten, die kaum der Rede wert sind. Z.B. bin ich wütend auf mich selbst, weil ich nichts geschissen kriege. Alles bleibt liegen. Hey, ich tue so, als halte dieser beschissene Zustand schon seit Wochen an, dabei sind es erst ein paar Tage, davor lief es ausgesprochen gut. Morgen gehts bestimmt besser, und in ein paar Tagen bin ich wieder fröhlich. Danke, dass ihr mich ertragt, einen schönen 1. Mai

euer Henning

Weniger ist mehr

Ich komme mit „Im Wahn der Zeichen“ ausgezeichnet voran. Jedenfalls für meine Verhältnisse. Aus 62 Buchseiten habe ich nun 24 DIN ‚A 4 Seiten gemacht, weiter so. Ich gehe sparsam mit Worten um, halte mich kaum noch mit Details auf, gebe mir Mühe, mich so kurz wie möglich zu halten und mich doch kreativ genug zu entfalten. Vielleicht schaffe ich es wirklich, am Ende auf 200 bis 250 Buchseiten zu kommen. Ich überlege, welche Verlage ich anschreiben könnte. Ich denke, Suhrkamp und Diogenes werden es sein, von den anderen Großen habe ich schon zu viele Absagen bekommen. Auch wenn es jetzt ein völlig anderes Buch wird, im Computer taucht mein Name auf und ich habe gehört, einmal eine Absage, immer eine Absage. Ob’s wirklich stimmt, weiß ich natürlich nicht. — Heute habe ich mir zwei Bücher von Schamoni bestellt, Djians „Erogene Zone“ habe ich mit Genuss gelesen und freue mich schon auf das nächste Werk von ihm. — Meine Frau startet langsam ins letzte Drittel meines neuen Romans, leider muss sie sehr viel arbeiten und kommt oft erst spät abends nach Hause. Ich habe aber Geduld und bin sehr auf das Ergebnis gespannt. Einen Titel habe ich natürlich immer noch nicht. Und auch keine Idee. — Montag werde ich 48. Noch zwei Jahre, dann möchte ich spätestens meine Familie ernähren können – so jedenfalls der große Wunsch. Aber ganz ehrlich, das wird ganz schön knapp. Der neue Roman muss bis dahin perfekt sein, „weg“ und „Im Wahn der Zeichen“ natürlich auch. Und dann schwebt mir noch das „Große Ding“ im Kopf rum, das Buch, dass wirklich der Reißer werden könnte. Ich weiß aber nicht, ob ich fürs Verfassen schon bereit bin, ob ich klar genug bin und ob ich nicht erst einmal wieder etwas „Normales“ schreibe. Komisch, ich schiebe „Die Weisheit der Welt“ immer weiter nach hinten, obwohl es sofort losgehen könnte. Angefangen habe ich ja schon ein paar Mal, mehr aber auch nicht. Wenn es mir gelingt dranzubleiben, wird es etwas Magisches, etwas ganz Besonderes, etwas ganz Leichtes und Reines und Klares. So jedenfalls der Plan, die Vorlage ist nämlich ziemlich düster. Das Skript muss ganz und gar verwandelt werden. Vielleicht setze ich mich nicht ran, weil ich zu viel erwarte, könnte ja sein. Was, wenn es doof wird? Gebe ich dann auf? Nein, zu schreiben sicherlich niemals, aber vielleicht mit der Vorstellung, vom Schreiben leben zu können? Das wäre schade, wirklich, denn ich pusche mich zu gern nach oben, manövriere mich zu gern in eine Euphorie. Das macht mein Glück aus, ehrlich, die fast manischen Momente. Zufrieden bin ich oft, aber glücklich eher selten. Glück kann man auch nicht gut beschreiben, denn für jeden sieht Glück anders aus. Mein persönliches Glück könnte ich schon in Bilder verpacken, einigermaßen, aber dazu habe ich im Moment keine Lust. Vielleicht später, der Abend ist noch jung, es ist 21 Uhr. — Meine Frau kommt heute frühstens um halb elf, sie musste zu einer Sitzung. Mein Sohn schläft friedlich in seinem Bett, und Uroma liegt in ihrem. Es ist also ganz ruhig im Haus. Nur die Wanduhr tickt, und der Laptop rauscht ein wenig. Er ist jetzt über zehn Jahre alt, ein wirklich zuverlässiger Partner bisher. Den Kaktus in der Fensterbank müsste ich mal wieder gießen und Staub müsste auch gewischt werden. Aber ehrlich, jetzt gehe ich vor die Tür und qualme eine kleine Zigarre   .

 

Welttag des Buches

Heute ist der Tag des Buches. Und ich bin zwei Wochen nicht zum Schreiben gekommen, heute auch nicht. Aber dafür komme ich so gut wie jeden Abend zum Lesen, auch wenn es oft nur eine Viertel Stunde ist, weil mir die Augen zufallen. Immer liegt ein Buch auf meinem Nachtisch, manchmal auch zwei oder drei, und mein Tagebuch, wo ich auch so gut wie jeden Tag etwas reinkrickele. Mir gefällt es, ein paar Momente festzuhalten, seien es Gefühle, Gedanken oder Ereignisse. Vielleicht hat ja mein Sohn eines Tages Interesse, die Tagebücher zu lesen. Also ich hätte jedenfalls gern ein paar Gedanken meines Vaters heute noch. Ich weiß so wenig über ihn. — Zurzeit lese ich Philippe Djian, bin fast durch, freue mich darüber, dass ich so viel von ihm noch nicht gelesen habe, dass er so viel geschrieben hat, das ich noch nicht kenne. Aber ich wechsele die Autoren zumeist ab. Wen ich als Nächstes lese, weiß ich also noch nicht. Vielleicht wieder Heinz Strunk oder Schamoni, von denen habe ich auch noch nicht viel gelesen. Sehr schön. Packt mich ein Buch nach mindestens hundert Seiten nicht, lege ich es ohne mir weitere Gedanken darüber zu machen beiseite. Ich habe aber auch schon Bücher, die neunhundert Seiten haben, nach achthundert weggelegt. Oder Bücher mit siebenhundert Seiten, hätte ich nach vierhundert am liebsten auf den Müll geworfen. Ab damit in den Bücherschrank. Manchmal habe ich Geduld, manchmal platzt mir der Kragen. Tatsächlich mag ich gern Blabla-Bücher, aber wenn überhaupt nichts passiert, dann schönen Dank auch. — Heute jedenfalls ist der Welttag des Buches und ich kann nicht verstehen, wie man nicht lesen kann. Allerdings kann ein Sportler auch nicht verstehen, wie ich keinen Sport machen kann. Oder ein Fernsehgucker versteht nicht, dass ich das Ding bald zum Teufel jage. Na ja, zum Glück stört es nicht, zum Glück steht es nicht bei uns im Wohnzimmer, dann würde ich wohl auch öfter in Versuchung kommen. Ich mag gute Filme, ich schaue auch ab und zu Nachrichten oder Talkshows, für RTL 2 bin ich zu blöd, das verstehe ich nicht, was es da zu sehen gibt. Mich wundert es, dass so ein Sender überhaupt überleben kann, wie ist das möglich? Hm, ich denke lieber nicht länger darüber nach. Um Gottes willen, ich bezeichne mich nicht als schlau, nur weil ich gerne Bücher lese. Intellektuell bin ich schon gar nicht. Aber ehrlich gesagt, mag ich mir gerne intellektuelle Menschen in Talkshows anhören, natürlich ist es besser, man sieht sie nicht, deswegen ziehe ich das Radio vor. Ich mag keine Intellektuellen, die sich überaus wichtig nehmen, die den Wichtigmann raushängen lassen, die hochnäsig rüberkommen und die dem Normal nicht auf Augenhöhe begegnen. — Ohne Lesen kann ich nicht. Will ich auch nicht. Müsste ich mich auf einer einsamen Insel für Musik oder Literatur entscheiden, stünde meine Entscheidung fest. Von Musik habe ich keine Ahnung, und wenn einer unmusikalisch ist, dann ich. Und dass, obwohl ich vier Jahre in einer Deutschrockband gesungen habe, oder mehr gesprochen und krakeelt. Richtig Spaß hat es mir nie gemacht, oft bin ich mit Depressionen aus dem Übungsraum gekommen. Es gab nach vier Jahren keine bedeutenden Fortschritte. Manchmal ist es eben besser, seine Fresse zu halten. Zwei Auftritte hatten wir. Mein Gott, wie schlecht das war. Und dann sollten wir auf einer Hochzeitsfeier spielen. Klar, die totalen Depritexte zur Feier des Tages. Das Brautpaar hätte sich gleich mit dem Mikrokabel erdrosselt. Jedenfalls waren alle aus der Band beldeidigt, dass ich da nicht mitgemacht habe. So ist das, wenn man nicht auf die Texte achtet. Ist auch egal. Das Schöne am Schreiben ist, dass man nicht wie in einer Band auf einen anderen angewiesen ist, man ist ganz für sich allein, keiner redet einem rein, solange man schreibt. Und will man hinterher von keinem eine Meinung hören, kommt das Ding eben in die Schublade. Aber eigentlich, nein, nicht eigentlich, jeder Autor will gelesen werden, also ist es schon gut, kritsiert zu werden. Aber nicht nur von einer Person, es sei denn, es ist dein Lektor, zu dem du vollstes Vertrauen hast. Ich habe keinen Lektor, aber ein paar Leser, die gern meine Sachen durchackern. Vielen Dank dafür. Ich habe jetzt erst gelernt, dass man sparsam einen Roman anfangen sollte, um dann immer brutaler zu werden. Brutaler heißt nicht, dass man vom Morden schreiben muss. Ihr wisst, was ich meine. Mitreißender muss ein Buch von Seite zu Seite werden. Autoren sprechen vom Spannungsbogen. Man muss stets wissen wollen, wie es im Text weitergeht. Ich hab schon mal geschrieben, dass ich keine Krimis lesen mag. Na ja, vielleicht versuche ich es mal mit Poe. Ja, den werde ich mir gleich notieren, den alten Klassiker. Es gibt so viele Schriftsteller, die ich noch lesen muss. Ja, muss. Ich hab viel zu spät angefangen und ich lese zu langsam und zu wenig. Mein Leben dreht sich viel mehr ums Schreiben, als ums Lesen. So, ich mache jetzt Schluss und wünsche euch einen wunderbaren Wochenstart. Denkt dran, in vier Tagen ist schon wieder Wochenende! Zeit zum Lesen   !

JACK DANIEL’S

Alles nimmt wieder die normale Form an, alles wird wieder zu Staub, alles ist aus Staub entstanden. Zum Ursprung zurück. Wie lange noch? Strom, Öl. Strom und Öl. Öl und Strom. Zwei Drogen, die uns abhängig gemacht haben, ohne die nichts mehr geht. Zum Ursprung zurück. Tiere überleben, zumindest Ratten und Ungeziefer. Hier und da. Was ist Poesie? Das hier nicht, nicht das hier. Schwarzweiß. Mehr weiß als schwarz. Immer mehr weiß als schwarz. Man muss hinterher kommen, manchmal zögert man einen Augenblick zu lang. Pech gehabt. Das Spiel ist verloren. Gedanken, die nicht zu Ende gedacht werden müssen. Kann man Gedanken überhaupt zu Ende denken? Tja, wenn man den Löffel abgibt vielleicht, vielleicht, vielleicht. Und dann? Wie geht es weiter? Manche glauben es zu wissen, manche wissen es, behaupten sie, und wissen nicht einmal, was in einer Minute passiert. Prahlerärsche. Wichser. Besserwisser. Alleswisser. Wissenschaftler. Viel zu viele. Ab zum Mars. Auf der Erde krepieren sie. Kräht kein Hahn nach. Dann doch lieber fürs Wochenende eine Jack Daniel’s-Story.

JACK DANIEL’S

Die Hose sitzt zu eng, sagt sie, das läge aber nicht an meinem Schwanz. Leider. Oder auch nicht. Sie weiß es nicht genau. Sie kichert wie eine zu runde Erbse, die durchs Pusterohr geschossen wurde. — Pusteln und Pickel in der U-Bahn. Wo man hinblickt, Eiter und Geschwüre, die gern unsichtbar geblieben wären. Sind sie aber nicht, leider. Oder auch nicht. — Manchmal ist es besser, kein Gedicht zu schreiben. Seine Schnauze zu halten. Einen Punkt zu setzen. Und Jack Daniel’s zu trinken   .

Arme Kinder

Es ist gleich 23 Uhr, im Haus ist es jetzt still. Alles schläft, mein Besuch verweilt im Gästezimmer und liest. Der Tee zieht neben mir vor sich hin und wartet darauf, genossen zu werden. — Was soll ich sagen? Vor kurzem wurde ein Kinderpornoring zerschlagen, das jüngste Kind war ein halbes Jahr alt, das älteste acht. Für so viele Menschen ist ein Menschenleben nichts wert. Ich glaube, wenn man selbst ein Kind großzieht, sieht man die Sache noch mal anders. Man kann sich ein Stück in das Seelenleben eines Kindes hineinversetzen. Mich stimmen solche Nachrichten traurig, denn wie wehrlos sind kleine Kinder! Wie unschuldig! Wie krank für immer nach dem Missbrauch. Ja, ich weiß, so was will keiner lesen und hören, schon gar nicht, wenn man von Unterhaltungsliteratur spricht. Also verschließen wir lieber unsere Augen, wir können es ja nicht ändern, sagen wir so leicht dahin. Man kann nicht alles mit Krankheit entschuldigen, sehr oft geht es um Profit und Lust.  Wenn man krank ist, tut man etwas gegen seine Krankheit, geht zur Therapie oder ins Krankenhaus, dazu muss man sich natürlich reflektieren, was vielen Menschen versagt bleibt. Es geht um den Kick. Dann zerstöre bitte nur dich selbst und keine anderen Menschen. Hol dir den Kick sonst wie, aber schade keinem. Mich kotzt es an, so einen Text hier jetzt zu schreiben, aber wenn man solche grausamen Berichte in den Nachrichten hört …

Ich lasse das heute mit der Jack Daniel’s-Story und verschiebe sie auf die nächsten Tage.

Bis dann   .

Sorry

War ein paar Tage nicht am PC! — Ein sehr guter Freund aus France ist bei uns zu Besuch. Wir haben wundervolle Gespräche, ich werde in diesen Tagen sehr inspiriert. — Die Welt steht einem offen, wenn man ungebunden ist. Ungebunden heißt, keine Familie, keine Schulden zu haben und gesund zu sein. Dann kann man es wie mein guter Freund handhaben: Einen alten Bus kaufen, diesen zum Camper ausbauen und ab gehts in die weite Welt. Natürlich muss man zusehen, wie man an Geld kommt, die Lebensmittelläden haben nichts zu verschenken, der Wein muss bezahlt sein. Man kann sehr bescheiden leben, das Abenteuer ist stets an deiner Seite. Aber man muss auch eine Art Aussteigertyp sein, man muss aber vor allem die Freiheit lieben, das Reisen, offen sein für andere Menschen, damit man nicht vereinsamt. Der Mensch braucht einen Gegenüber, manchmal jedenfalls, er muss sprechen, sich austauschen, ein paar Freunde wären auch von Vorteil. Auf jeden Fall ist es zu schön, etwas über die Länder zu erfahren, die ganz nahe sind und den Abenteuern zu lauschen, die mein guter Freund erlebt hat. — Ich bin gebunden, habe mir das Leben aber so ausgesucht. Gestern Abend kam mir die Idee, mir trotzdem irgendwann einen Camper zu kaufen, ich könnte dann an einen See fahren und schreiben, ich könnte überall schreiben. Der Wagen wäre mein Schreibdomizil. Eine fantastische Vorstellung. Außerdem könnte ich in jeden Ferien mit meiner Familie unterwegs sein. Gerade, wo es uns hinverschlägt, das hat was von Romantik und Freiheit. Ich denke, ich würde so einen Wagen einer Schreibwohnung vorziehen. Einen Ofen rein, oder eine Standheizung, Solar für Strom, damit der Laptop läuft, genug Kaffee und Wein und natürlich Zeit. Ach, wie wundervoll! Wer weiß, was die Zeit noch mit sich bringt. Träumen ist unbedingt erlaubt. Ideen sammeln, die eines Tages verwirklicht werden können. Dran glauben und dafür arbeiten. Nicht aufgeben. Dran bleiben. Ich liebe das Leben! Ich liebe meine Freunde! Ich wünsche euch allen eine superschöne Woche. Bis bald !

Freie Entscheidung übers Leben?

Wenn ich anfange zu schreiben habe ich keine Ahnung vom nächsten Satz. Erst nach dem Punkt weiß ich wie es weitergeht. Meistens sofort. Manchmal muss ich aber auch überlegen. Gerade jetzt, beim Umschreiben des Buchs „Im Wahn der Zeichen“, sitze ich minutenlang über einzelnen Sätzen. Ein gutes Zeichen. Nichts auf die leichter Schulter nehmen. Ich habe das Buch schon zehnmal überarbeitet, jetzt schreibe ich es noch einmal komplett neu. Es bereitet mir riesige Freude daran zu arbeiten. Mir fällt auf, wie miserabel vieles geschrieben ist. Viel zu viel, viel zu lang, so viel unwichtiger Kram. Aus heutiger Sicht natürlich nur. Damals, als ich es so verfasst habe wie es jetzt ist, war mir jedes Wort wichtig. Ich hätte mir auch kaum reinreden lassen, ich war total überzeugt von meinem Können. Abstand tut gut. Wirklich. Ich merke als Autor, wie schwer es ist, objektiv an das eigene Werk ranzugehen. Die Besten mögen das können, die Besten mögen sich nichts sagen lassen, ich zähle auf die Meinung meiner Freunde, meiner Leser. Ich habe viele Ideen, der Schreibstoff scheint mir in den nächsten Jahre nicht auszugehen, aber ich will ja auch Großes erschaffen, ich will als Autor von meiner Kunst leben können. Ich weiß, das wollen Hunderttausende, nicht viele können es. Journalisten schon eher, Romanschreiber selten. Aber die Chance ist da, sie ist immer da, ich fühle sie fast täglich, sie läuft vor mir her, ich muss sie nur noch einholen, es ist knapp. Es wird Zeit. Ich werde nun doch wieder einige Verlage anschreiben, auch die großen, was hab ich zu verlieren. Ist doch egal, ob von einem großen oder einem kleinen Verlag eine Absage kommt. Früher habe ich es so gehandhabt, dass ich mich für jede Absage infrage gestellt habe, ich sagte mir, dann bist du eben noch nicht gut genug, mach weiter, aufgeben tust du nie. Ich habe oft dieselben Verlage mit den überarbeiteten Skripts angeschrieben, das sollte man lassen, einmal eine Absage, immer eine Absage. Mir schweben Verlage vor, die mich noch nicht kennen. Egal ob klein oder groß, wirklich, ich werde gucken zu welchen Verlegern meine Sachen passen könnten. Aber ich weiß auch, dass der ganz große Wurf noch nicht dabei ist. „Die Weisheit der Welt“ könnte so einer werden. Könnte, könnte, könnte. Es wird schwierig werden, aus hundert Seiten Reimen, nur Dialoge, eine Erzählung zu machen. Wenn mir das gelingt, wird alles gut. Manchmal weiß man Dinge, ohne zu wissen, wo das Wissen herkommt. Ist tatsächlich so. Man glaubt und hofft und glaubt zu wissen. Glaube ich an Gott? An die Göttlichkeit schon. An die Liebe brauche ich nicht zu glauben, von ihr weiß ich, dass es sie gibt. Ich glaube an die Schönheit des Lebens. Ich glaube an die Ewigkeit. Ich glaube an die Wiedergeburt. An einen Gott im Himmel? Kann ich nicht sagen, wirklich nicht. Jeder moderne Christ sagt, Gott sitzt da oben nicht in den Wolken. Tja. Vielleicht. Wer weiß. Klar, in oder auf Wolken kann keiner sitzen, bin ja nicht bescheuert. Oder doch? Könnte sein. Intersssiert mich aber auch nicht weiter, ich kann nur das bringen, was ich bringen kann, natürlich versuche ich immer besser zu werden. In allem. Also ist es mir doch nicht egal. Man kann ja vielleicht etwas gegen seine Bescheuertheit tun, dazu muss man aber erst einmal einsehen, dass man so was von saubescheuert ist. Ist man doch. Ich bin zum Beispiel so bescheuert … ach, lassen wir das. Schade? Fragt euch lieber selbst, was an euch bescheuert ist, bestimmt findet ihr ein paar Antworten. Wenn nicht, will ich lieber nichts mit euch zu tun haben. Jeder sollte ein paar Macken von sich kennen, da ist nichts bei. Ich spreche hier von seelischen Macken. Körperliche hat sowieso jeder, es geht stetig bergab. Von Geburt an. Der Tod erwischt jeden, früher oder später, na ja, dann lieber später, aber nicht zu spät, muss noch alles einigermaßen in Form sein. Kann man sich natürlich nicht aussuchen, ist mir klar. Es sei denn, man bringt sich um. Davor hätte ich Bammel. Ich bin so n Typ, der glaubt, dann gibt’s ne Strafe. Kann sein, dass ich das ganz anders sehe, wenn ich nicht mehr krauchen kann und mich einscheiße-und-kotze. Ja, ich bin Christ, morden und selbstmorden ist tabu. Sag ich jetzt. Ist so leicht dahergeschwafelt. Amputiert man mir scheibchenweise die Beine, bin ich gelähmt, habe schmerzvollsten Krebs oder sonst was, ist der Tod bestimmt Erlösung. Hat nicht jeder das Recht, über sein Leben zu entscheiden? Es ist doch mein Leben, es gehört keinem sonst, nur mir. Oder etwa doch Gott? Tja, gute Frage. Ich könnte jetzt endlos weiterfragen und keine Antworten finden. In meinen Psychosen bin ich mir über alles ganz sicher. Bringst du dich um, landest du in der Hölle, ganz klar. Psychosen sind fanatisch, radikal, extrem, Himmel oder Hölle. Ganz oben oder ganz unten. Ich bin nun mal moralisch geprägt, besser, ich habe mich selbst geprägt, wurde nicht religiös erzogen. Konfirmation schon, dann Austritt aus der Kirche, Jahre später wieder Eintritt, aus freien Stücken. Kirche muss nichts mit deinem Glauben zu tun haben. Du kannst auch einen Baum volltexten und ihm das Gleiche erzählen wie einem Gott. Den Baum siehst du wenigstens, den kannst du sogar berühren, auch gegen pinkeln, wenn du magst. Stört ihn nicht, wahrscheinlich freut er sich noch. Umarm ihn und kotz dich bei ihm aus, oder eben bei deinem Psychologen. Scheiß doch drauf. Mach das Beste draus. Es ist jetzt zwölf, ich geh schlafen. Gute Nacht   !

Uns geht es gut, gut, gut!

Ich weiß nicht … Wie ist es, wenn sich Frauen für Sex verkaufen? Ich kann mir vorstellen, dass sie es nur über sich ergehen lassen. Sie denken an das Geld. Aber ekeln sie sich auch? Vor einigen Männern bestimmt. Oder vor allen Freiern? Können sie noch mit ihrem Partner schönen, sinnlichen Sex haben, wenn sie einen haben? Kann ihnen Liebe noch Spaß machen, Freude bereiten? Oder befriedigen sie ihn nur, weil Sex dazu gehört? Weil sie ihn nicht verlieren, gar verletzen wollen? Ich habe vor vier oder fünf Jahren mit einer Prostituierten gesprochen, die mir versicherte, ihr mache der Job noch Spaß, vor allem mit Jüngelchen, die zum ersten Mal kommen. Ich weiß nicht … Nutten sind doch keine Maschinen, werden aber manchmal so behandelt, manchmal sogar gezwungen, mit stinkenden Typen in die Kiste zu springen. Das müssten die Freier doch merken, oder? Spielen die Frauen so gut etwas vor? Hm … Interssiert mich mal, vielleicht werde ich mich für einen Roman noch mal mit einem „leichten Mädel“ unterhalten. Aber da muss man erst einmal eins finden. Für den Roman „weg“ hatte ich Glück, da redete eine für 30 Euro mit mir. Manche wollten mich mit aufs Zimmer nehmen, 30 Euro Sex, 200 Euro unterhalten. Bei Mira musste ich Tischgeld zahlen, sie führte mich in eine abgeranzte Kneipe auf der Reeperbahn. War sehr nett, fast schon schüchtern, ein Mädel, in das man sich verlieben könnte. Das war ihre Stärke. Sie sah unschuldig aus, und wusste es, trug eine Brille, 23. Sie sagte, 90 Prozent der Männer, die zu ihr kämen, seien verheiratet. Schnelle unverbindliche Nummer. Ein Freund habe sie nicht – die Eifersucht. — Das sind meine Gedanken an diesem windigen Morgen. Wie ist es für Pornodarsteller? Männer müssen den Sex ja schon erotisch finden, sonst könnten sie es nicht bringen. Aber die Frauen? Manche vielleicht. Viele sollen Drogen nehmen, aber die meisten sehen nicht danach aus. Es dreht sich ums Geld. Aber auch hier werden viele Damen gezwungen. Menschenhandel. Menschen werden verkauft. Kinder werden verkauft. Man darf gar nicht dran denken. Man darf an so vieles nicht denken, doch wenn alle, so wie ich, die Augen verschließen würden, würde es keine Hilfe geben. Man kann so vieles tun, wenn man möchte. Wir Menschen sind schlecht, ehrlich. Oder tust du etwas Gutes? Wann hast du das letzte Mal etwas gespendet? Oder hast du schon mal mit einem Obdachlosen gesprochen, ihm ein Brötchen gekauft? Man verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse, wenn man verschleierte Muslime sieht. Wer kann sich davor frei machen? Wer frei ist von Schuld, werfe den ersten Stein. Steine werden geworfen, ja, auf Menschen. Augen zu und durch, so ist es doch. Uns geht es gut, gut, gut … — Das waren meine Gedanken an diesem Morgen   !

Abwechslung

Meine Frau liest ja gerade den neuen Roman. Es plätschert so dahin, sagt sie, da ist kein Spannungsbogen. Ist ihr zu langweilig. Hm. Deswegen ist es so wichtig, dass Skripts von mehreren Personen gelesen und begutachtet werden. Ich selbst mag ja Bücher, wo es ein wenig plätschert, aber langweilen will ich mich natürlich auch nicht. Ein Buch soll unterhaltsam sein. — Mit „Im Wahn der Zeichen – der Roman“ läuft es gut, es fällt mir ganz leicht, da was draus zu machen. Es ist eine Wohltat, ein Buch nur umzuschreiben, sich nicht alles selbst ausdenken zu müssen. So geht es natürlich auch viel schneller voran. Ich bin also bester Dinge und werde wohl doch mal wieder einige Verlage anschreiben. Kann ich ja auch, wen stört es schon. Ich versuche einen ganz neuen Stil aus, längere Sätze, viele Kommata, genau das ist es, was mir derzeit Freude bereitet. Sonst war ich immer sehr mit meinen kurzen Sätzen zufrieden, aber wie sich alles im Leben ändert, ändert sich natürlich auch der persönliche Stil, nichts bleibt, wie es ist, und genau das ist die Würze des Lebens, Abwechslung. Ich weiß, hab ich schon ein paar mal geschrieben, macht aber nichts, ich werde mich diesbezüglich noch hundertmal wiederholen.

So, jetzt werde ich mich gleich mit einer Tasse Tee auf die Terrasse setzen, eine gute Zigarre anmachen und den Text für die 100-jährige Dorothea Buck schreiben. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich einen Text für einen Band, den sie als Geschenk erhalten wird, schreiben darf. Psychose als Chance, da fällt mir sicherlich sehr viel zu ein.

Weiterhin bedanke ich mich bei euch treuen Lesern, macht euch eine schöne Woche, bis dann   .

Schreibhammer

Das ist der Hammer! Habe eben etwas über eine Seite am „Im Wahn der Zeichen – der Roman“ geschrieben. Mann, macht das Spaß. Ehrlich. Ich kann da so viel kürzen. Dinge, die für mich einst so viel Bedeutung hatten, die für mich dermaßen wichtig waren, und jetzt wird endlich, endlich reduziert. Weniger ist mehr. Keiner muss sich mehr durch 430 Seiten quälen, um meine Geschichte zu lesen. Wen interessiert schon mein ganzes Leben im Detail!? Zumeist doch selbst nur Betroffene, Psychiater, Psychologen, Angehörige und ein paar Interessierte. Die Menschen wollen unterhalten werden und sich nicht runterziehen lassen. Ich hatte natürlich auch Feedback, dass eine ganze Menge Leser „Im Wahn der Zeichen – Das Original“ nicht beiseite legen konnten. Es war für sie wie ein Rausch. Solche Komplimente nehme ich natürlich sehr gerne an. Aber ich selbst schrecke auch davor zurück, zurzeit jedenfalls, so düstere Bücher zu lesen. Thomas Melle allerdings hatte mich gepackt, wirklich ein hervorragender Reißer. Thomas wurde sogar für den deutschen Buchpreis nominiert, aber ich glaube, das Buch ist trotzdem nicht zum Bestseller aufgestiegen. Ganz nachvollziehen kann ich das aber nicht, schließlich gibt es Hunderttausende Psychose-Erkrankte in Deutschland. Lesen die alle nicht? Ja, viele sind dazu nicht mehr in der Lage, das ist wahr. Aber was ist mit den Profis, die in den Kliniken tätig sind? Für sie müsste „Der Wind im Rücken“ zur Pflichtlektüre erhoben werden. Na ja, was soll’s. Ich jedenfalls werde in den nächsten Monaten schreiben wir ein Irrer. Und ich glaube, ich nehme die tausend Euro meiner Mutter für die neue Auflage. Ich könnte auch „weg“ oder den neuen Roman als Buch rausbringen, aber daran liegt mir nicht ganz so viel. Schön wäre natürlich, wenn ich 3000 Euro oder mehr hätte. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen, wird noch kommen. Ich bin da optimistisch. — In nicht einmal einem Monat werde ich 48. Mit 50 will ich ja, wie ihr wisst, meine Familie durch die Schreiberei ernähren können, und ehrlich, das wird ganz schön knapp. Hier liegt zwar noch ein großes Ding auf Eis, aber es wird nicht ganz einfach sein, daraus eine wunderschöne Dichtung zu machen. Ich hab vor ein paar Tagen schon mal dran rumgeschrieben. ABER wenn es mir gelingt den Faden zu finden, dann wird es etwas ganz, ganz Großartiges. Vielleicht 100 Seiten oder so etwas in der Art. Etwas ganz Kleines ganz groß. Etwas Magisches. Etwas Reines. Etwas zum Verschlingen. 2 Stunden Lesevergnügen. Dafür bräuchte ich dann auch noch mal 1000 Euro. Und ich hätte gerne noch mal 3000 Euro für einen alten Volvo. Künstlerauto. Wundervolles Gefährt mit Stil. Ein Schiff. Jaja, so materiell denke ich. Na und! Wer stört sich dran. Ist auch egal jetzt.

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag. Genießt die Sonne, Leute. Habt gute Laune, sagt euch, heut ist frei! Macht euch einen schönen Tag. Bis ganz bald   .