Hemingway / Henningway

Herrlich! Gestern war ich bei der Hochzeit eines wundervollen Freundes und dessen herzliche Frau. Ich war Trauzeuge, das Wetter hätte besser nicht sein können, ich habe drei Zigarren geraucht und einige Rum-Cola getrunken. Ich freue mich sehr für die beiden, sie haben sich spät kennen gelernt und sich nun doch noch das Jawort gegeben, um bis zu ihrem Lebenende gemeinsam ihren Weg zu beschreiten. — Ein Freund des Parres war anwesend, der mir Fotos von seiner Kubareise gezeigt hat. Ach, wie schön! Havanna, und vor allem – Hemingways Haus! Die alte Corona-Schreibmaschine, die er von Headley geschenkt bekommen hat, der massive Schreibtisch, die Köpfe der geschossenen Tiere, das Bad mit den Bleistiftnotizen an den weißen Wänden … Ich muss hin! Und danach oder davor gleich nach Key West, in sein anderes Haus. Ich will auch ein Hemingway sein, zumindest ein Henningway! Schade dass es solche Typen wie ihn nicht mehr gibt. Er hatte wirklich was vorzuweisen, schon in jungen Jahren hat er fanatstische Sachen geschrieben, und ja, er wollte immer der Beste sein, mit weniger hat er sich nie zufriedengegeben. Er konnte es, verstand das Schreibhandwerk, hatte Stil, und ich kann nur jedem raten, einiges von ihm zu lesen, es lohnt sich allemal. Von heute kommt da keiner mit, höchstens ich, sonst keiner. Nein, natürlich nicht, aber es ist zu schön, sich ab und zu so zu fühlen, als stünde man mit den größten Schriftstellern auf einer Ebene. Warum auch nicht, mit dem Alkoholkonsum kann ich jedenfalls schon mal mithalten, das ist zumindest ein Anfang, ist das nicht schön? Wenn ich doch endlich ein wahres Werk vorlegen könnte, das Geld bringt. Dann würde die Zeit, die ich zum Schreiben bräuchte, wie von selbst kommen, dann wäre es nämlich mein Vollzeitberuf, wo ich mir zeitbedingt nicht mehr reinreden lassen müsste. Es liegt ja immer was an, klar, das habe ich schon hundert Mal geschrieben, es bleibt aber auch dabei, so oft kommt irgendetwas unverhofft, und wenn es nur der Trockner ist, der den Geist aufgibt, wir ihn auseinanderbauen und den Keilriemen austauschen. Zwei bis drei Stunden weg, einfach weg. Jaja, der Trockner funktioniert wieder für ein oder zwei Jahre, ich weiß. 400 Euro gespart. Wäre mir aber scheißegal, wenn ich genug Geld hätte, da würde es nur noch um eins gehen: Bis zum Tod so viel wie möglich zu Papier zu bringen, etwas wirklich Wetvolles zu hinterlassen. — So, dabei belasse ich es jetzt erst mal. Vielleicht fallen mir ja morgen noch ein paar Sätze ein. Bis dann   !

Medis / NEUE PRESSE

Freitag

Der Artikel für die Uni Karlsruhe ist fertig. Und heute bin ich auch gut mit dem neuen Roman vorangekommen. Es ist jetzt gleich halb zwölf am Abend, alle schlafen und ich finde es schade, dass ich in meinem Zimmer nicht rauche. Na ja, der Gesundheit tut’s gut, und dem Geruch des Hauses auch, ich weiß. Für ne Zigarette wäre ich jetzt auf jeden Fall runtergegangen, aber ne Zigarre dauert mindestens ne halbe Stunde, ne halbe Stunde, die ich lieber hier oben verbringe und noch ein paar Zeilen schreibe. Ich weiß nur nicht, was, manchmal ist mein Kopf wie leer, ausgehüllt, hohl, höchstens voller Watte. — Ich habe heute eine Freundin getroffen, eine Autorin, die auch psychische Einschränkungen hat. Sie hat vor einigen Monaten das Neuroleptikum abgesetzt und sagt, dass sie wieder weinen kann, Gefühle zulassen kann, Gedanken besser verarbeitet, sich nicht mehr kopfmäßig so abschottet. Hm, weinen kann ich, aber sie hat schon recht, wenn etwas geschieht, geschieht es halt, und wenn es vorbei ist, ist es vorbei, dann denkt man darüber nicht mehr weiter nach, man streicht es aus dem Gedächtnis, macht weiter wie bisher. Ach, was weiß ich! Ist doch auch normal, oder? Dass meine Fanatsie durch die Medis eingeschränkt ist, weiß ich selbst, manchmal würde ich gern wissen, wie kreativ ich im Kopf wirklich sein könnte. Ich habe viele Ideen für Geschichten und was nützt die ganze Fantasie, wenn ich sie schriftlich nicht umsetzen könnte? Scheiße, könnte ich ja vielleicht trotzdem, ohne verrückt dabei zu werden. Was ist denn an den Medikamenten so schlimm? Dir geht’s doch gut. Tja, ich bin aber nicht echt, denke ich manchmal. Aber wenn du Herzkrank wärst, würdest du ja auch Medikamente nehmen. Dazu kann ich nur sagen, dass eine köreperliche Krankheit keine seelische ist. Du sagst doch selbst, dass es eine Stoffwechselkrankheit ist, darauf springen ja auch die Medis an. Ja, aber ganz ausgeforscht ist das eben alles noch lange nicht, und wird es vermutlich auch niemals. Schwieriges Thema, für alle Beteiligten, wo der Betroffene, der Angehörige und der Profi zugehört. Man muss eben funktionieren, wenn man Verantwortung trägt. Ein Single ohne Kind und meinetwegen auch ohne Beruf kann leichter das Risiko einer Medikamentenreduzierung eingehen. Ich glaube trotzdem daran, es eines Tages noch ein letztes Mal ohne Medis zu versuchen. Aber erst, wenn mein Sohn selbständiger ist. WARUM??? Ich kann es nur damit erklären, dass ich echt sein will, mehr kann ich dazu nicht sagen. Reicht das nicht? Es ist doch ein riesiges Stück Freiheit, nichts nehmen zu MÜSSEN. Ich bin zum Glück nicht Herzkrank, es stimmt nur in der Seele nicht. Im Gehirn? Jaja, klar, zu viele Botenstoffe, zu viel Hormone, zu viel Dopamin, ich weiß. ICH WEIß ES SELBST! Scheiße, ich wollte mich da gar nicht reinsteigern, denn die wirklich wichtigsten Menschen an meiner Seite machen sich sonst ernsthafte Sorgen. Zu recht, und noch kann ich es auch gut akzeptieren, die Medis zu nehmen, aber auf Dauer kann ich das eben nicht garantieren. Es steht nicht fest, dass ich wieder krank werden würde. Das Risiko ist hoch, keine Frage, warum willst du das Risiko eingehen? So könnte es immer weitergehen und weitergehen, endlos. Seit 10 Jahren bin ich Psychosefrei, 2011 lediglich eine hypomanische Phase, ja, auch das weiß ich, sie war hart genug für alle. Aber ich bin da rausgekommen ohne die Medikamente zu erhöhen, eine Gesprächstherapie, Gespräche mit lieben Menschen und ein geschütztes Umfeld in der Tagesklinik haben gereicht, mich zurückzubringen. Ich kenne mich gut inzwischen, ich achte auf mich, im Alter verändert sich der Körper und das Denken, ich bin sensibel. Hm, belassen wir es dabei für heute, ich halte euch hoffentlich in den nächsten Jahren auf dem Laufenden, denn noch denke ich nicht daran, den Blog aufzugeben. Ich wünsche euch bei jedem Artikel interessante neue Eindrücke. Macht’s gut   !

Dienstagmorgen

Gleich kommen eine Journalistin und ein Fotograf/In von der Neuen Presse zu Besuch. Das Wetter ist ausgezeichnet, wir werden auf der Terrasse sitzen, Kaffee und Zitronenwasser trinken und hoffentlich ein interessantes Gespräch für den Leser zustande kriegen. Es kommt darauf an, was ich zu sagen habe, aber auch die Fragen, die an mich gerichtet werden, sind für ein gutes Interview ausschlaggebend. Ich hätte so viel zu sagen, mal sehen, worauf das Gespräch hinauslaufen wird. Jedenfalls freue ich mich drauf. Ich melde mich auf jeden Fall, sobald der Artikel erscheint. Ansonsten wünsche ich euch noch eine schöne Woche   !

Blogzwang

Es ist so ne Art positiver Zwang geworden, diesen Blog zu erhalten. Eigentlich müsste ich jetzt am Roman arbeiten, für die Universität der Künste Karlsruhe etwas schreiben, Englisch für die Amerikareise büffeln, Unterlagen für den Lohnsteuerjahresausgleich suchen und sortieren oder eben einfach schlafen, damit ich morgen fit bin. Es gibt genug zu tun, dass mir langweilig war, ist lange her. Wann habe ich zum letzten Mal einen Film gesehen? Ich habe schon etliche Monate Betty Blue hier rumliegen, auf den ich mich sehr freue, geht aber drei Stunden, drei Stunden, in denen ich etwas schaffen kann. Jetzt steht der Sommer vor der Tür. Ich liebe die Abende mit meiner Frau, die wir auf der Terrasse verbringen und uns über alles mögliche unterhalten, oder auch nur schweigend zusammen sind, auch diese Zeit könnte ich gut zum Arbeiten nutzen, bringe es aber nur selten übers Herz, so einen schönen Abend verstreichen zu lassen. Sonntags schreibe ich nur ganz, ganz selten, sonntags komme ich nicht gut voran, das war schon immer so, auch als ich alleine war. Sonntags fließen meine Gedanken langsamer als gewöhnlich, ich rede mir auch ein, dass der Sonntag zum Ausruhen ist. Samstags komme ich auch nicht zum Schreiben, der Samstag ist mir heilig, vor allem der lange Abend bis in die tiefe Nacht, die ich mit meiner Frau genieße. Ich sag euch was: Ich bräuchte genug Geld, so viel Geld, dass meine Frau nicht mehr arbeiten gehen müsste und uns das Schreiben ernährt. Dann könnte ich von 8 bis 13 Uhr schreiben ohne mir weitere Gedanken machen zu müssen, um 13 Uhr würde ich mich hinlegen und zwei Stunden schlafen, dann noch zwei Stunden ackern und dann nach Hause kommen, was für eine fantastische Vorstellung. Natürlich bräuchte ich eine Schreibwohnung, sonst würde ich mich ablenken lassen, es gibt ja zu Hause immer was zu tun. Oder noch besser (und einfacher) wäre es, ich könnte auf das Medikament Lamotrigín verzichten, das mich so müde macht, dann könnte ich auch bis 13 Uhr schreiben und bräuchte gar nicht viel Geld, meine Frau würde weiterarbeiten, jedenfalls könnte ich dann wahrscheinlich auf den Mittagsschlaf verzichten. Aber ich sehne mich nach Anerkennung, ich möchte gelesen werden, Hunderttausendfach und mehr. Ich weiß aber, dass die Sachen, die ich bisher geschrieben habe, noch nicht gut genug sind, es braucht noch Geduld. Doch ich nähere mich dem Ziel stetig, meine Augen stehen offen und mein Geist ist zumeist klar. Na ja, heute Abend nicht mehr ganz. (Hier ist gerade ein Nachtfalter reingeschneit, der vor dem Momitor rumflattert). Ich bin müde, es ist elf, Medikamente habe ich schon vor einer Stunde genommen, ich hoffe, dass ich noch ein paar Seiten Auster schaffe, jeden Abend ein Geschenk. Das Buch, das ich gerade von ihm lese, steht bei Seite 140 noch am Anfang, bei meinem neuen Roman gehts da schon auf die Zielgerade zu. So, ich mache Schluss für heute, mir fallen die Augen zu – Gute Nacht   !

Guten Tag!

Draußen zeigt das Thermometer knapp 30 Grad an, was für ein herrlicher Tag! Ich trinke gekühlte Limonade, sitze in meinem Arbeitszimmer (das Fenster zeigt nach Westen) und fühle mich gut. Da ich morgen wahrscheinlich nicht zum Blogschreiben komme, bekommt ihr heute schon das Jack Daniel’s-Gedicht für’s Wochenende. Letzte Woche habe ich es nicht auf die Reihe gekriegt.

Kakerlaken

Überall Kakerlaken. Auf dem Fußboden, an den Wänden, an der Decke, es kriecht und krabbelt, eine dicke schwarze Masse, fett, gepanzert, glänzend, beweglich, steif, geräuschlos. Doppelseitiges Tesa, wo sie dran kleben bleiben, es hängt überall, ich bleibe selbst öfter dran hängen. Das geht jetzt schon seit einer Woche. Heute Nachmittag war die ganze Fassade schwarz, voller Ungeziefer, bis zum vierten Stock rauf, nein, bis zum Dach, es sah aus, als bewege sich das Haus. Im Treppenhaus auch alles schwarz und beweglich. Ich hänge in meiner Wohnung ab und schenke mir Cola dazu, als es an der Tür bollert. Ich öffnete mit dem Glas in der Hand. Kameras. Mikrophone. Blitze. Fragen, die auf mich einstürmen. Polizisten rechts und links. Sie kämen gerade vom Dachboden, direkt über mir, dort hätten sie eine Leiche gefunden, das heißt, was von ihr noch übrig ist, denn die Kakerlaken hätten sie inzwischen fast verzehrt. Ich bot allen ein Gläschen zur Beruhigung an  .

Wir brauchen die EFP!!! / BERLIN

Es ist gleich halb elf am Abend, im Haus ist es ruhig, der Laptop rauscht, die Wanduhr tickt, ich höre meinen Atem, ab und zu das Klackern der schwarzweißen Tasten, die ich betätige. Ich denke nach, ich weiß nicht, wo diese Zeilen mich hinführen, wie der Text weitergeht, schon gar nicht, wie er endet. Ihr wisst, ich mag Blabla-Bücher, auch Briefe, auch meine eigenen Sachen sagen sehr viel blabla. Warum auch nicht. Schlagen wir die Zeitung auf, werden wir von den Texten erschlagen, ergriffen, gefoltert, schlagen wir sie also lieber wieder zu. Jaja, man sollte auf dem Laufenden sein. Xavier Naidoo, was ist mit dem Typen los? Ich kenne das Lied „Marionetten“ nicht, vielleicht höre ich es mir jetzt mal an, aber es hat ne Menge Wirbel in Politik und Presse ausgelöst, außerdem soll Naidoo ja mit den Reichsbürgern sympathisieren. Ja, man muss aufpassen, was man von sich gibt, nicht nur, wenn man ein prominenter Künstler ist, aber dann erst recht. Naidoo ist wütend auf viele Politiker, zu recht, kann er ja auch sein, aber mit so viel Wut und Hass im Bauch bringt man keinen Frieden, bringt man nur noch mehr Wut und Hass in die aufgebrachten Gemüter. Und das ist es doch, was wir brauchen – mehr Frieden und viel mehr Liebe. Ich habe leider, oder auch nicht leider, keine Ahnung von Politik, aber eins ist mir klar: Die vielen, vielen Künstler müssen sich endlich, endlich zusammenraufen und auf die Straße gehen, sie müssen nicht den Intellektuellen, der sowieso schon die meisten Zusammenhänge rafft, mit ihrer Sprache erreichen, sondern den Typen von nebenan, der sich den Rücken krumm buckelt. Die meisten Menschen lieben das Einfache, sie brauchen kein verschnörkeltes Rumgesülze voller Fremdwörter. Und auch wenn z.B. Udo ein Konzert gibt und da vor 50.000 Leuten zu recht gegen Nazis wettert, bringt das nicht viel, denn die Leute, die zu Udo gehen, stehen eh auf seiner Seite. Die Künstler müssen die Medien vollends nutzen, es geht nur gemeinsam, einzelne können kaum etwas bewirken, und gerade die Künstler sind als erstes betroffen, wenn das rechte Volk mächtiger wird, die Journalisten im übrigen auch, zum Glück gibt es hier ja noch Pressefreiheit, na ja, lassen wir das. Die Zeiten werden nicht besser, sondern härter, vielen Rentnern geht es heute noch einigermaßen gut, in zehn Jahren sieht das ganz, ganz anders aus. Und dann, Leute, kommen die Rechten richtig in Fahrt, 20 % haben sie in Teilen Deutschlands jetzt schon, in Frankreich 11.000.000 rechte Wähler, 35 %, wem gibt das nicht zu denken!? Ich freue mich, wenn ich über 20 Leser in diesem Blog habe, auf meinen Lesungen sind auch nicht mehr Zuhörer, es sei denn, ich lese vor 120 Schülern, aber da geht es nicht um Politik, da gehts um Schizophrenie und Drogen, ich bin nicht das Sprachrohr der EFP, der Ersten Friedenspartei, da muss jemand anders reden, aber wenn ich ein paar kompetente Berater und Experten aus dem Künstlerindianerstamm an meiner Seite hätte, wären meine geschriebenen Texte geschnittener. — So, jetzt ist es fünf vor elf, fast schon Zeit zu Bett zu gehen, um noch ein paar Seiten Auster zu genießen oder ins Tagebuch zu schreiben. Ich lese mir diesen Text morgenfrüh noch einmal in aller Ruhe durch und werde dann entscheiden, ob ich ihn raushaue. Einen schönen Abend noch   !

Vier Tage später

Ich finde den Text oben gelungen, also bekommt ihr ihn zu lesen. — Ich war drei Tage in Berlin, bei einem meiner besten Freunde, jetzt bin ich wieder zu Hause und habe neue Energie mitgebracht. Ich liebe Berlin im Frühling und Sommer, im Winter weniger, wenn es matsachig, kalt und grau ist. Mein Freund wohnt in Neukölln, genau an der Grenze zu Kreuzberg, am Kanal, mitten im Kiez, da, wo viele, viele Touristen tagsüber langschlendern und abends in den Bars und Clubs feiern. Besser kann man in Berlin nicht wohnen, finde ich. Wir waren aber auch am Wannsee und haben stundenlang aufs Wasser geschaut, saßen am Kanal, ich war auf einem Flohmarkt und habe mir tatsächlich ein paar SCHALLPLATTEN gekauft. Meine Platten hatte ich 1999 verkauft, 300 Stück für 430 DM, schön blöd. Heute wäre die Sammlung etwa 6.000 Euro wert. Ich habe David Bowie, Doors, Udo und Straßenjungs erstanden, die Straßenjungs bekommt man nicht einmal mehr auf CD, ich freue mich sehr darüber. Der Start für eine neue Sammlung ist jetzt also gemacht, aber jeder Kauf tut weh, denn wenn ich sehe, dass Bowie und Led Zeppelin-Scheiben oft zwishcen 20 und 30 Euro gehandelt werden, tut es mir noch mehr in der Seele weh, meine Sammlung damals „verschenkt“ zu haben, denn das Dämliche ist, dass ich mir die gleichen Platten noch einmal kaufen werde. Ich müsste mehr Ahnung von Jazz haben, aber was nicht ist, kann ja noch kommen. Mancher Jazz nervt mich, mancher Jazz ist sehr beruhigend, genauso ist es ja auch mit Rock n Roll oder Techno. Mit klassischer Musik komme ich nur sehr schwer klar, kann ich nur ganz, ganz selten hören. Na, muss ich ja zum Glück auch nicht. Mit Whisky komme ich schon besser klar, mit Wein auch, mit Zigarren erst recht. Gut, ich muss jetzt kurz die Wäsche draußen abnehmen, es wird dunkel. Morgen schreibe ich vielleicht noch ein paar Zeilen, dann veröffentliche ich diesen Attikel im Blog. Bis bald   !

Guten Morgen.

Ich bin so fett wie noch nie, 116 kg, am Morgen, abends stelle ich mich besser nicht auf die Waage. Eigentlich müsste ich jetzt, nach knapp einer Woche Pause, am neuen Roman weiterarbeiten, aber ich werde gleich einen längeren Spaziergang machen, die Kilos müssen purzeln, ich habe sogar schon Knie-und-Rückenprobleme. Mir bleibt nicht viel Zeit am Tag, da ich ein paar Stunden durch die Medikamente geplättet bin und nicht durchkomme. Es liegt auch immer so viel an, aber ich weiß ja, dass ich mich nicht beschweren sollte, immerhin kann ich mir die Zeit größenteils selbst einteilen, wer kann das schon? Also, dann ziehe ich mich mal locker an und los geht’s. Bis später   !

Bettler / Alter Freund / Neuer Roman

Der Typ sah nicht nach Geld aus, wirklich nicht, zerschlissene Jeans, langes Haar zum Zopf gebunden, ziemlich schlank, bestimmt Raucher, abgetragene Turnschuhe … Er legte dem Bettler ein paar Münzen in den Becher und schlenderte weiter, einfach so, als sei nichts gewesen. Aber jede Wette, in dem Augenblick des Gebens hat er sich gut gefühlt, und das zu recht. Jaja, man muss geben ohne zu fordern, weiß ich selbst, aber dieses gute Gefühl bekommt man gratis dazu, in jenem Augenblick und auch noch ein paar Sekunden danach. Und ich kaufe mir hektisch einen Asphalt, weil ich gerade zwei Sekunden Zeit dafür habe. Fast hätte ich ihn nicht gekauft, weil ich mir gar keine Zeit nehmen wollte. Ja, ich bin sicher, dass viele Menschen sich das Obdachlosenmagazin nicht kaufen, weil es ihnen an Zeit mangelt. Kurz stehen bleiben, Blickkontaklt womöglich noch, zahlen. Ich nehme mich da nicht aus. Man kann auch nicht jedem Bettler Geld mit Herz geben. Das verlangt der Bettler auch nicht, ihm reicht der Groschen, denn nicht mit dem Herz kauft er sich das Brot, sondern mit der Münze. Das wollte ich nur mal kurz gesagt haben, mehr nicht.

Ich möchte noch ein paar Zeilen zum Thema „Alter Freund“ schreiben. Ich habe nämlich einen alten Freund, den ich seit ca. 34 Jahren nicht mehr gesehen habe, am Freitag im Havana getroffen. Was für eine riesige Freude! Und ehrlich, in den letzten Monaten habe ich oft an die gute Kindheit und den Anfang meiner Jugend gedacht, die ich damals in dem 500 Einwohner-Nest bei Hannover verbracht habe. Eine herrliche Zeit! Wir waren jeden Tag auf dem Bolzplatz und haben gebokt, geraucht und getrunken. Aber insbesondere dachte ich in den vergangenen Wochen eben genau an diesen einen Typen, der wirklich mein großes Vorbild war. Ihn hat mein Angebete natürlich total genervt, ist ja klar, aber ich habe ihn regelrecht vergöttert. Drei Jahre älter, fantastischer Fußballer, schon Zigarettenraucher, immer cool, kräftig, witzig, hat mich zum Camparitrinken verführt, selbstverständlich habe ich gekotzt, dabei war ich schon 13, aber eben das erste Mal richtig besoffen. Ach ja, der Freitag im Havana war wundervoll, und eins werde ich tun: Ich werde diesen früheren Freund zum Grillen einladen und noch viel mehr mit ihm über früher quatschen als letztens. Bestimmt erzähle ich euch in einem meiner Artikel bald mal von meiner schönen Kindheit.

Meine Frau hat den neuen Roman durch, ich hatte keine Ahnung, dass er so schlecht ist. Hat sie nicht gesagt, sie sagte, da kann man drauf aufbauen, auf Deutsch, ist totale Kacke, aber versuch mal dein Bestes. Werde ich tun, „Im Wahn der Zeichen“ lege ich wieder auf Eis, da kann ich jederzeit ansetzen. Ist jetzt kein Tiefschlag für mich, im Gegenteil, ich weiß, was ich zu tun habe, wo ich Veränderungen vornehmen will und was so stehen bleibt. Ich möchte auf jeden Fall am Stil arbeiten, bessere Lehrer als Paul Auster und Philippe Djian gibt es im Moment kaum für mich, ja, Hemingway, aber lange habe ich nichts von ihm gelesen. Ich verlass mich natürlich nicht zu 100 Prozent auf meine Frau, aber da sie sehr rational denkt, glaube ich ihr in vielen Punkten. Und ich selbst bin mir auch in den letzten Tagen klar darüber geworden, dass ich mit dem Stil nicht zufrieden sein kann und möchte. Damit kann man keinen Blumentopf gewinnen! Will ich aber, ich möchte endlich mit einem Verlag zusammen arbeiten. Und euch wünsche ich eine wunderschöne Woche.

Bis bald    !

Schreibfieber

Ja, heute war ich im totalen Schreibfieber, wirklich seit sehr, sehr langer Zeit mal wieder. Die Zeit rennt, Stunden werden zu Minuten und Minuten zu Sekunden, ich bin nur noch Text, nur noch die Geschichte. Alles um mich herum löst sich auf. So ein Zustand ist wundervoll, schlaucht aber auch sehr. Ich hoffe, in den nächsten Tagen geht es genauso weiter. Ich wollte nie an zwei Büchern gleichzeitig arbeiten, jetzt ist es so gekommen, es kommt ja sowieso immer anders. Dann hätten wir also: „Im Wahn der Zeichen – Das Original“ – „Im Wahn der Zeichen – Der Roman“, „Weltbestseller“ – „weg“ und den neuen Roman, für den ich jetzt immerhin schon mal einen genialen Titelvorschlag bekommen habe. Wenn diese ganzen Projekte bis SPÄTESTENS zum Ende des Jahres abgeschlossen sind, muss ich wohl zufrieden sein. Schneller kann ich nicht. Langsamer will ich nicht. Und dann bleiben mir noch anderthalb Jahre für den absoluten Knaller. Aber davor habe ich Angst. Angst, zu versagen. Das Ding muss einschlagen wie ne Bombe, Leute. Hundert Seiten, mehr werden es vermutlich nicht, aber die müssen es in sich haben. Dann gehts weiter mit zwei Romanen, zu denen ich die Gerüste bereits habe, oder aber ein Drehbuch, man wird sehen. Ich habe ja auch noch was Hoch-Aktuelles im Kopf, das ich eigentlich zuerst schreiben müsste, damit kein anderer auf die Idee kommt. Früher hatte ich immer total Schiss, man könne mir meine Ideen klauen, davon bin ich aber inzwischen weitgehend befreit. Ich muss auch noch unbedingt was für die Akademie der Künste Karlsruhe schreiben, der Anfang ist aber auch hier schon gemacht. So, morgenfrüh gehts weiter mit „Im Wahn der Zeichen“. Ich kürze dermaßen meine Gedanken weg, die ich damals beim Schreiben gebrauchte, dass ich mich frage, ob alles am Ende noch verständlich ist. Aber muss man eine Psychose verstehen? Das lass ich mal so dahingestellt.

Leute, ich liebe das Leben. Ich liebe es, zu schreiben. Ich liebe es, zu trinken, zu essen und zu rauchen. Ich liebe es, zu lieben. Ich liebe den Rausch. Ich liebe den Kick. Ich brauche den Kick – zumindest ab und zu. Warum auch nicht. Hauptsache, es bleibt dabei keiner auf der Strecke. Ich liebe aber auch die Klarheit, den klaren Morgen, die klaren Gedanken und Sätze. Ich liebe die Euphorie. Ich liebe am meisten meine Frau und meinen Sohn. Was für ein Glück! Ja, ich liebe auch manchmal ein bisschen mich, zumindest meine Gedanken und Ideen  ! Gute Nacht

Zwei Tage später. Guten Morgen!

Gestern bin ich wieder herrvorragend ins Schreiben gekommen, es läuft fantastisch. 42 Seiten habe ich nun schon, von etwa 200, wenn es so weitergeht, bin ich bald durch. Meine Frau ist beim neuen Roman auf Seite 160 angelangt, jetzt sind es nur noch 30 Seiten bis zum Schluss. Ihr gefällt „weg“ die kleine Trilogie besser, sagt sie, die ich jetzt schon wieder in einem ganz anderen Stil schreiben würde. Vielleicht irgendwann, wenn die Kreativität ausgeschöpft ist, wonach es zurzeit aber glücklicherweise nicht aussieht. — Das Buch von Auster, das ich gerade lese, hat über 1200 Seiten, eigentlich nicht meine Größe, aber es macht wirklich Spaß jeden Satz zu genießen. Er kann es wirklich! Dabei spielt es keine Rolle, dass manche Szenen zu sehr ins Detail gehen. Er scheint sich bei dieser Geschichte ganz und gar ausgelassen zu haben, was sein gutes Recht ist, denn jeder Lektor wird sich hüten, Austers Gesamtheit einzugrenzen. Alles was er schreibt, macht Sinn. Ich freue mich jeden Tag darauf, dass Buch aufzuschlagen und Seite für Seite umzuschlagen. Danke, Mr. Auster!

Ihr bekommt heute schon das Jack Daniel’s-Gedicht für’s Wochenende. Ach ja, ich habe noch ein paar Schlagwörter zu bearbeiten, unter anderem „Gerechtigkeit“. Vor diesem Thema habe ich mich bis jetzt gescheut, weil es so dermaßen komplex ist. Ich hab’s auf jeden Fall im Hinterkopf!!!

UND DOCH

Du wirst nicht alt – bei mir nicht. Mach dir keine Sorgen. Ich kille dich. Du machst mich fertig. Wer bringt hier wen um? Du mich sicher nicht. Ich mach dich alle. Bin schneller. Du kriegst mich nur in der Nacht. Morgens nur ein schaler Geschmack von dir. Angenehm die Erinnerung. An die letzte Nacht. Geträumt, aber nicht verträumt. Du bist real. Und doch   .

Scheißmöchtegernalkoholiker

Heute war wirklich ein guter Tag im Gegensatz zu den letzten. Ich habe nämlich mittags schon drei Becks und zwei Ouzus getrunken. Da kann man richtig schön in den Nachmittag starten, genussvoll Torte verzehren und den Abend mit Oliven und Käse ausklingen lassen. Was sagt uns das? Kein Bier vor vier wird völlig überbewertet, vor allem sonntags. Ehrlich, man nimmt das Leben doch oft viel zu ernst, anstatt zu sagen „Hey, scheiß drauf, was habe ich heut vor, ach ja, gar nichts Wichtiges, da rauch ich ne Cigar und genehmige mir ein Gläschen, was ist schon dabei!“ Jo, Leute, und dann wird abgerockt. Wir gehören ja zu den alten Säcken, die noch auf Rock n Roll stehn. Was ich früher alles so gehört habe: Led Zeppelin, Deep Purple, Fischer Z, Police, Marillion, David Bowie wie verrückt, Doors, Peter Gabriel, Queen, Stones … und dann die ganzen deutschen Rocker, Mann, was haben wir abgerockt, gesungen und getanzt. Ich war bei Judas Priest, bei Marillion, bei Gary Moore, Marius, Udo, viele kleine Konzerte, Open Airs, alles mögliche. Wie bekloppt gekifft, gesoffen und sonst was eingeworfen. Hammer. Klar, jetzt kann man sagen, da wundert es doch nicht, dass der so behämmert ist. Nee, echt, wäre ich stabil gewesen, wäre ich gesund geblieben. Fast alle meine alten Kumpels leben immer noch, haben zwar auch den totalen Dachschaden, kommen aber gut mit klar, waren nie in der Klapse – halt! – stimmt nicht, einige haben mich ja immer mal wieder besucht. Auf jeden Fall kann man nicht dem Drogenkonsum die Schuld für die psychotischen Schübe geben, da steckt mehr hinter. Warum nehmen denn Kinder oder Jugendliche Drogen? Erst wahrscheinlich aus Neugier, aber dann finden sie den Törn auf einmal so affengeil, dass sie nichts anderes mehr wollen. Sie haben ein Ventil gefunden, Luft abzulassen. Man kann ja so schön lachen, fühlt sich so leicht, hat ein Freiheitsgefühl, fliegt ab, usw.  Und zack, sehnt man sich nach dem Kick, immer wieder, immer öfter. Huihui, süchtig ist man. Labile Menschen werden süchtig, labile Menschen werden krank. Süchtige Menschen sind krank! So ist das eben. Man packt es nicht mehr zu arbeiten, braucht aber doch die Kohle, die verdammte Kohle … Gib her den Zaster, ich hab was zu naschen für dich. Ist die Abfahrt, wirste nie vergessen. Richtig, man vergisst den Trip auch nie. Deswegen will man ihn noch einmal haben und noch einmal. Psychische Abhängigkeit. Körperliche Abhängigkeit bei manchen Drogen. Guck mal, der schiebt n Affen! Selbst schuld, ehrlich. Ja, sagt man so leicht daher. Dem geb ich nichts, der gibt sein Geld doch sowieso nur für Heroin aus! Verdammte Scheiße, er braucht es aber, sonst hält er es vor Schmerz nicht mehr aus! Diese Scheißmöchtegernalkoholiker, die sich ein paar Mark für ne Flasche Wein zusammenschnorren, nur um etwas breit zu sein. Wenn sie es wenigstens brauchen würden, dann hätte ich mehr Verständnis. Aber aus Spaß schnorren, da hört der Spaß auf, ist doch so, finde ich jedenfalls. Hat jemand Hunger, soll er etwas essen, ist jemand krank und braucht dringend ne Dröhnung, dann bitteschön! Aber aus Spaß? Oder brauche ich einen Hund, der den ganzen Tag auf dem kalten Asphalt klebt und ein bisschen Mitleid erregt? Kostet doch unendlich viel Kohle, jetzt echt mal. Noch besser sind drei Hunde. Aber ja, diese Menschen sind vielleicht noch viel, viel kränker. Bestimmt sogar. Bestimmt kaufen sie sich zuerst Alkohol und denken erst dann an die Köter. Oder? Wie ist das? Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster? Ich bin ja wohl selbst völlig krank. Oder völlig gesund, völlig normal, völlig spießig. Ja, bin ich aber gerne. Klar bin ich auch gern mal verrückt, normal und gesund und krank und spießig zusammen. Ich will einen Schrebergarten! Und da, liebe Leute, stelle ich mir einen Gartenzwerg hinein!!! Da könnt ihr euch dann alle drüber das Maul zerreißen, wird das schön. Und jetzt ist es halb elf am Abend und ich trinke zum Abschluss noch ein Bierchen. Liebe Leute, dann machts mal gut und genießt die Woche   !

Funktionieren / Paul Auster

Es ist halb elf, Freitagabend. Die Zeit rennt unaufhörlich, bis zum letzten Atemzug, für dich, die Zeit rennt weiter. Trotzdem. Du bist nicht der Mittelpunkt, fühlst dich aber so. Alles dreht sich um dich, doch die Zeit dreht sich mit dir. Kein Entkommen, das steht fest. Der Zeiger steht wenn er steht wenn er steht, zieh das Urwerk auf und er dreht sich wieder. Die Erde bleibt nicht stehen, darf nicht stehen bleiben, deine Uhr schon, alles Lebendige nicht. Der Sekt steht vor mir, noch, gleich ist er verschwunden. Und dieser Platz war eben noch frei. Der Platz vor mir ist immer noch frei. Bleibt auch immer frei. Nein, das nun auch nicht. Ach, was weiß ich. Soll ich Musik anmachen? Prost. Ich schalte das Radio ein. Gequatsche oder Schrott. Gequatsche lenkt mich ab, Schrott kann ich heute nicht ertragen. Tschuldigung. Alles lenkt mich heute ab, auch die andere Musik. Ich lenke mich selbst ab, von mir, von der Zeit, von allem. Am liebsten würde ich mir jetzt ein Taxi rufen und mich ins Havana kutschieren lassen. Nur so. Und morgen natürlich ausschlafen bis zum Abwinken. Aber wie jeden Tag muss man funktionieren. Sohn. Einkaufen. Medikamente. Haushalt. Man muss freundlich sein, sonst ist man zu sich selbst unfreundlich. Wisst ihr was? Ich schreibe morgen weiter. Oder auch nicht.

Heute ist Montag der 1. Mai, Feiertag.

Meine Frau hat mir das neue Werk von Paul Auster „4321“ geschenkt, dafür lasse ich sogar Schamoni stehen, wenngleich ich mittendrin bin. Man kann sagen, dass ich unter anderem durch Auster zum Lesen gekommen bin. „Die Musik des Zufalls“ war das erste Buch, das ich von ihm genossen habe. Ich habe es mir damals, ungefähr 1992, wegen des Titels gekauft, zu jener Zeit gabs für mich nämlich keine Zufälle. Davor habe ich nur Castaneda, Hesse, Steven King und „Die Welle“ gelesen. Auster hat mich sofort geflasht, gegen Auster sind die meisten Schriftsteller von heute Mücken, und das soll nicht heißen, dass sie alle schlecht sind. Warum hat er eigentlich noch nicht den Nobelpreis für Literatur bekommen!? Auster lebt seinen Traum, er dreht Filme und schreibt, seine Frau ist ebenfalls Schriftstellerin. Mehr will ich heute morgen gar nicht schreiben, nur einen Dank an das Universum, dass es solche Schriftsteller wie Paul Auster heute noch gibt.