Guten Abend,

der Text sollte viel länger werden, aber mein Laptop ist vorhin abegstürzt, hatte schon einiges geschrieben, kann ich jetzt an diesem PC nicht wiederfinden. Die Technik wird für mich immer ein nicht zu verstehendes Medium bleiben. Hier steht jetzt auch alllisch,  Sitze im Zimmer meiner Frau, auf dem Schreibtisch ein Bild meines Sohnes. Morgen vor fünf Jahren brannte unser schönes Haus ab, in den letzten fünf Jahren sind wir viermal umgezogen, seit zwei Jahren wohnen wir jetzt hier, und endlich haben wir uns eingelebt. Ja, wir fühlen uns wohl, das heißt aber nicht, dass ich nicht noch mal umziehen würde. Hätte ich nichts gegen, vielleicht nach Hamburg oder Berlin. Ich liebe beide Städte, habe auch Freunde in beiden Städten, bin ja sowieso ein offener Typ und hatte noch nie Probleme, auf Leute zuzugehen, meine Frau genauso wenig. Hamburg würde mich noch mehr reizen, als Berlin, glaube ich. Dieser riesige Hafen hat für mich schon fast eine magische Bedeutung, es ist sowieso kaum zu erfassen, was auf den Straßen Hamburgs abläuft. Ich liebe das Großstadtleben, muss mich aber auch zurückziehen können. Also Außenalster oder Elbchaussee würde ich sagen. Charlottenburg oder Zehlendorf oder irgendwas. Außerhalb des pulsierendes Lebens, aber nahe genug, um mal kurz einzutauchen und mitzumachen. Hier bei Hannover ist es wundervoll, aber ehrlich gesagt, ist mir ein bisschen zu wenig los. Zumindest unter der Woche. Klar, da gibt es ein, zwei coole Kneipen, wo man hingehen kann, oder hier und da mal eine Lesung, ein Konzert, sonst was, aber der Kick fehlt. Die Absinthbar zum Beispiel, der Kiez auf St. Pauli, der Kiez in Neukölln oder Kreuzberg, meine alte Heimat. Immer noch aktion, täglich, von morgens bis morgens. Künstler überall. Im Winter ist Berlin wirklich nicht so schön, aber da könnte man ja nach Kuba jetten. Ich möchte und brauche Abwechslung, war noch nie der Typ, der sehr lange auf der Stelle gestanden hat. Fanta Vier: „In der Bewegung liegt die Kraft!“ So ist es. Keine Ziele vor Augen zu haben, bedeutet, tot zu sein. Marius singt: „Langeweile macht dumm …“ Recht hat er. Ich höre im Moment ziemlich viel Marius und Udo, alte Scheiben, die mich an frühere Zeiten erinnern. Mein Sohn hört den ganzen Tag Udo. Morgen startet der Rockliner, ach, wie gern wäre ich dabei. Ausverkauft das Ding. Nächstes Jahr muss ich mit Jean mit. Wir müssen da auftreten, Lesungen auf dem Klo oder so was, egal, scheißegal, Hauptsache drauf. Ich muss mit Udo sprechen, es wäre für mich dramatisch, würde er oder ich sterben und wir hätten nie drei Worte miteinander gewechselt. Marius und Udo haben meine Jugend, fast meine Kindheit geprägt, sie waren meine Ausflucht, sie haben mich zeitweise gesunden lassen. Das haben andere aus meiner Famlie nicht geschafft. Es ist nicht nur die gedankliche Erinnerung, die erwacht, wenn ich die alten Scheiben höre, mein ganzes Körpergefühl verändert sich. Ich werde total getriggert. Aber es gibt mir nichts mehr, zu ihren Konzerten zu gehen, zu oft habe ich sie live gesehen, ich wollte damals schon mehr, in den 90ern, damals wollte ich mit Marius einen Film drehen, ich drogensüchtig, er mein Säufer- und Zockerapa, so wie im echten Leben. Ich hab damals nicht gerafft, dass Marius alles nur spielt, deswegen war ich auch so wütend auf ihn, habe ihn sogar gehasst, nie hat mich ein Mensch mehr verletzt. Krankhaft, ich weiß. Fanatisch. Nie wollte ich zum Stalker werden, hab ihm aber einige Briefe und Skripte zugeschickt, in seiner Plattenfirma angerufen und so n Scheiß. Jetzt bin ich fast 50, und ich finde, ich bin ganz schön erwachsen geworden,. Nein, um Gottes willen, nicht immer, das ist nämlich ebenfalls der Tod. Es gibt ja Menschen, die waren schon immer erwachsen, die haben noch nie ins Waschbecken gepisst. Ich geh gleich runter ne Zigarre rauchen. Die Stille genießen, den Geschmack, die Gedanken, die einfach so kommen und die ich beobachten werde. Ich pusche mich gern ein bisschen, ein bisschen hypomanisch durch die Nacht fliegen. Nachher n Yogitee, dann klappt das mit dem Einschlafen auch.

Bacardi-KICK / LP-Kick

Samstag, 23 Uhr.

ne halbe Stunde nehme ich mir Zeit, dann gehts ins Bett zu meinem Buch, das ich gerade lese. Weiß jetzt weder wie der Autor heißt noch das Buch, ist aber ganz, ganz leichte Kost. So was habe ich lange nicht mehr gelesen, tut gut, fiktive Geschichte in der Ich-Form geschrieben, ne Art Krimi oder so was. Finde ich meine Sachen ehrlich gesagt nicht schlechter. „Im Wahn der Zeichen“ schon, da muss ne Menge gestrichen werden, immerhin um 200 Seiten von 420. Freue ich mich sehr drauf. Weg mit dem ganzen Rotz! Weg mit dieser ganzen sentimentalen Scheiße. Immer auf dem Teppich bleiben, nicht zu viel Gefühl mit reinbringen. Distanz halten, dafür brauchte ich aber erst einmal 20 Jahre oder länger. Ist ja nicht ganz ohne, ne Krankheitsgeschichte aufzuschreiben. Wisst ihr, wo zu ich Lust habe? Auf Youtube was über mein Leben zu erzählen. SICK hat mich total geflasht, jetzt erst, habe gerade mal von 400 Folgen sieben geschaut. Das ist richtig gut. Das bringt voll Bock, ehrlich. Kann ich jedem empfehlen. Ich weiß nicht, ob ichs hinkriegen würde – kann mir jemand beim Filmen helfen? Ich erzähle ja so gern psychotische Erlebnisse von früher. Dazu ne Zigarre, n Bier oder n Wein, herrlich und ehrlich kann ich mir das vorstellen. Hat jemand von euch Lust und Zeit? Kennt jemand wen, der wieder wen kennt? Auf jeden Fall drehe ich einen Film mit Jean Coppong für den Rockliner von Udo. Wir wollen da in der Bibliothek auftreten, wenn es eine gibt. Drei bis fünfmal am Tag für ne Stunde. Vor zwanzig Leuten oder so was. Keine Ahnung. Ich lese Jack Daniel’s-Gedichte vor und Jean spielt zwischendurch ein paar Songs. Das fetzt wie der Fisch im trocknen Eimer. Bin total inspiriert heute Abend, und wisst ihr warum? Weil ich zwei Bacardi-Cola getrunken habe. Ist ganz anders als Wein oder Bier, leichter, schöner, schneller, ehrlicher vielleicht nicht, oder auch doch, ist auch scheißegal. Ein ganz anderer Zustand als nüchtern, kreativer, ist so, kann ich nicht ändern. Jaja, lasst mich in Ruhe mit euerm Alkoholikergefasele, davon will ich heute Abend nichts hören, und morgen auch nicht. Ich komme kaum mit den Fingern nach, so flutscht das hier. Prost! Als ich anfing, den Blog zu schreiben, da haben sich ja einige Freundinnen Sorgen gemacht, dass ich alkoholsüchtig sein könnte. Ja, Leute … Eines weiß ich: Rum wirkt ganz anders als Whiskey, und Wein ganz anders als Bier und so weiter, jede Sorte hat was für sich. Harte Sachen habe ich seit Monaten nicht mehr getrunken, ist Bacardi was Hartes? Mit Cola? Zwei Gläser? Jetzt habe ich ne Viertel Stunde geschrieben, es ist Viertel nach elf, 15 Minuten gebe ich mir noch, 15 Minuten müsst ihr mich noch ertragen. Aber endlich ist hier mal wieder was los auf dem Blog. Ich wäre ja schon fast selbst gestorben vor Langeweile. Aber wie ihr wisst, für den Roman war die nüchterene Zeit genau richtig und wichtig. Alkoholiker tun mir leid. Ich meine die, die nie wieder etwas trinken dürfen. Und die tun mir leid, die keinen Nutzen durch den Genuss von Alkohol erleben, die sich nur sinnlos zudröhnen und Scheiße labern, und kotzen, und lallen und torkeln und am nächsten Tag nichts mehr wissen. Nutzt doch das Zeug ein wenig. Ich darf ja schon keine Drogen mehr nehmen, sonst muss ich in die Klapse. Selbst Kiffen ist vorbei, vertrag ich nicht, auf Medis steh ich nicht, mochte ich noch nie, über andere Sachen spreche ich besser gar nicht erst. Man kann ja bekanntlich nur Dinge bereuen, die man NICHT getan hat, sagte mal jemand Großes. Wer, weiß ich nicht, irgendein Schriftsteller. Oder war es der Playboy Gunter Sachs? Ja, klar, der war es. Der hat das gesagt, und der hat nichts anbrennen lassen. Alle anderen haben es nachgeplappert, so wie ich. Da gibt es einige Dinge, die ich nicht ausprobiert habe, aber gern gewusst hätte, wie das so ist. Jetzt bin ich fast 50, bin verheiratet, habe ein Kind und bin zu feige. Gut so, für mich, für meine Familie in erster Linie. Segeln, ich bin noch nie gesegelt. Fallschirmsprung. Rennboot. Wasserski. Ach, ich könnte jetzt eine Million Dinge aufzählen, die mich reizen würden. Ha! – Gesegelt bin ich mal – drei Tage auf dem Eiselmeer. Kann ich mich aber nicht mehr dran erinnern wie das war. Hochseeangeln. Den Rest verschweige ich euch, würden wieder Sorgen entstehen. Ich will kein laaaaaaangweiliges Leben!!! Wollte ich noch nie. Ein Pfleger in der Klapse hat mal zu mir gesagt: Herr Taube, warum suchen Sie immer den Kick? Weil ich ihn brauche, weil ich ihn WILL, weil ich nicht tot sterben werde. Mal aus dem Rahmen springen, draußen dran langhangeln, ja klar, besser wieder zurückkommen, um klar zu sehen. Punkt 23.30. Schluss, Aus, Vorbei   !

Sonntag 23 Uhr

War heute bei meiner Schwester und habe mir LP’s geliehen. Bowie, Marius, Alan Parsons, sogar Marillion, die ich ihr wohl mal geschenkt habe. Wundervoll. Könnte die ganze Nacht durchhören, viel, viel schöner als ne CD einlegen. „Ganz allein krieg ichs nicht hin“ von Marius, die dritte Scheibe, ’78. Besser geht nicht, ehrlich, von den Texten jedenfalls, von Musik habe ich nicht so viel Ahnung, gefällt mir aber gut, die Aufnahme ist auch sehr gut, ganz anders als die Christiane F. von Bowie, französische Pressung, ziemlich schlecht. Fuck, ich muss ins Bett, morgenfrüh um 6.45 Uhr ist Aufstehen angesagt. Gerne würde ich jetzt noch SICK auf Youtube anschauen, bin erst bei Folge 8, 400 sind es ungefähr. Das will ich auch, verdammt! Ich glaube, der törnt sich mit Dope an, kommt dann auf n Redeflash, ich würde n bisschen Gurgelwasser zu mir nehmen, geht auch, ölt auch die Stimme. Bisschen Show muss sein, nur n bisschen, bin ja kein Schauspieler. Warum eigentlich nicht? Ist ein schöner Beruf, ehrlich, kann man drin aufgehen. Erfüllung ist angesagt, deswegen bin ich so froh, dass ich schreiben kann, dass ich die Freiheit dazu habe, dank meiner Frau. Sie lässt mich machen, sie wusste von Anfang an, dass sie für die Familie sorgen wird. Nicht MUSS. Man kann ja vom Staat leben in Deutschland, wenn man es geschickt anstellt, will sie aber nicht, sie ackert wie sonst was. Aber sie liebt ihren Beruf, ja, und ich liebe das Rauchen und Trinken, natürlich, klar, Teetrinken. Scheiße, zehn nach elf … Trinke gerade Yogitee für den Abend, davor etwas Sekt und Cola für die Nerven. Nichts haut einen Seemann um – ihn schon. Lied von Udo. Herrlich. Oder Lady Whisky, Säufermond, und was es sonst noch so gibt. Breit geschrieben, nüchtern gegengelesen, für Gut befunden, Mucke zu gemacht, ab dafür – Hit! Dann viel zu viel Suff, die 90er. Totale Pleite. Udo sagt, schmeiß das Geld aus dem Fenster, kommt unten durch die Tür wieder rein. Hat er von Kalle Lagerfeld. Ich hab s von Stuckrad-Barre – Stuckiman. Auch völlig egal. Ich liebe das Leben, ich liebe den Genuss, ich genieße oft wochenlang kaum was. Warum? Weil ich soooooooo vernünftig bin. Ja? Ehrlich? Bin ich das? Sag ich euch nicht. Rock n Roll. Yogitee zum Einschlafen. Schöne Träume. Ich schnarche, wenn ich nüchtern bin und wenn ich betrunken bin – also egal. Das ist mein Leben. Na ja, schon, aber ich teile es mit meiner Familie. Der Rest ist mir egal, scheißegal. Klar, gute Freunde braucht man, sind wichtig. Aber da reicht es, dass sie sich auf einen verlassen können, es reicht, ein paar Stunden Glück oder Leid zu teilen, besser Glück, kommt immer besser. Und n Bier ausgeben, oder wenn man Geld hat, n Auto, oder ne Reise oder n Geschirrspüler, was gerade vonnöten ist. Quatsche ich Müll? Ich hämmer auf die Tasten, schreibe so, wie es gerade kommt. Es kommt, kommt, kommt, wie es kommen muss – alter Text von mir. Habe sowieso noch hundert Songtexte rumfliegen. Kann man was draus machen. Habe ich Udo, Herbert, Adel, Konstantin, Peter und … keine Ahung, zugeschickt, kam nie was zurück. Pro Text 2000 Euro oder so was. Na, interessiert? Hundert gibts für 150.000, vielleicht, wäre ein Angebot. Nee, zu billig, für 1,5.000.000 wäre gerechter. Weil da ja so ungleublich viiiiiele Hits bei sind, ehrlich jetzt mal. Schlager oder Rock, was ihr wollt. Macht doch, was ihr wollt. Halb zwölf gleich. Scheiße. Trinke ich jetzt noch n Rum? Der Tee ist gleich leer, müde kein Stück. Und morgen? Gäääääähhhhnnnnn. Umdrehen, Wecker auskloppen, mit dem Auto losdüsen, halb schlafend, halb wach, dann dem Freund beim Streichen helfen, ja, gerne, immer wieder gerne, würde ja nicht viel lieber schreiben und Musik hören und Zigarre rauchen und mittags n Sekt trinken. Nee, ich streiche lieber ne Tür umsonst. Nur so. Und noch eine. Und reiß n Balkonboden raus. Und haue mir selbst in die Fresse, nur so zum Spaß. Hey Leute, das macht Spaß, braucht ihr noch Hilfe.. Ich habe Zeit, viel Zeit, viiiiiiiiiiieeeeeel Zeit. Wir können auch stundenlang klönen, den gaaaaaaanzen Vormittag, mit viel Kaffee und Tee, Yogitee für den Abend am Morgen, das wäre doch was. Ich will schreiben, schreiben, schreiben. Drei Stunden vormittags, zwei Stunden abends, mehr will ich doch gar nicht. Außer ne Million, oder zwei, drei oder vier. n Volvo. Jetzt geht der Scheiß wieder los. Man, waren wir froh, dass n paar Monate Ruhe war. Ich nicht! ICH NICHT! Das bringt Bock, das macht Spaß, das fetzt. Spinnen, spinnen, spinnen, zumindest hier auf dem Papier! Papier – sehr witzig. Monitor, Monitor, Monitor. Kleines Ding, Laptop, Tastatur extra. Ist doch auch völlig wumpe, oder nicht? Halb zwölf. Es ist vorbei. Aus. Schluss. Noch n Schluck, komm, noch einen … Runterkommen. Abschalten. Laptop aus, Licht aus, Anlage aus. Ausziehen, Zähne putzen, bisschen in den Spiegel schauen und sich okay finden, zum Glück, auch wenn ich in den letzten Tagen drei Kilo zugenommen habe. Jaja … Endlich fühle ich mich hier wieder gut, wieder heimisch, wieder zu Hause. Yeah. Haut rein! Gute Nacht! Schöne Woche! Denkt mal drüber nach! Über was? Ob ihr für ein neues Buch für mich sammeln wollt. Ein paar Tausender … Ihr kriegt es auch nicht wieder, ich gebe alles selbst aus, ehrlich. Kennt ihr Straßenjungs: Ich brauch mein Suff, wie der Spießer den Puff … Hört euch das mal an. Sowieso eine der besten Scheiben, die es in der BRD jemals gab. Hab ich neulich auf dem Flohmarkt ergattert, ist noch genauso schön wie früher in den 80 ern. Jetzt reichts. Jetzt ist genug. Genug ist genug. Finito. Wäre ich jetzt unoriginell, würde ich schreiben: Ich habe fertig. Nachplapperer. Nachäffer. Haste keine eigenen Ideen? Doch, mein neues Buch ist eine ganz eigene. „Im Wahn der Zeichen“ sowieso. Ach, lasst mich jetzt endlich los. Lasst mich schlafen. Lasst mich in Ruhe. In unendlicher Liebe und der ganze Scheiß – euer Weltschriftsteller   !

Bett

Guten Abend,

Schreibe zum ersten mal aus meinem Bett am Tablet. Will mal schauen wie das so funktioniert, wegen amerika. Ich werde mir wohl eine tastatur kaufen, oder geht’s auch so? Ich glaube schon. Für die paar texte brauche ich glaube ich kein Geld auszugeben. Aber schöner ist es schon auf die Tasten zu tippen. Mal sehen. Jetzt wünsche ich euch auf jeden Fall eine gute Nacht.

Wörter oder Worte

Ja, ja, eigentlich … Eigentlich müsste ich mich jetzt an den Roman setzen, kann mich aber nicht aufraffen. Ja, ja, eigentlich müsste ich jetzt das Bad schrubben, das Gästezimmer für’s Wochenende vorbereiten, Rasen mähen (dabei, es ist schon 21 Uhr, die Nachbarn wären bestimmt hoch erfreut!), ja, ja, eigentlich müsste ich jetzt Medis nehmen und demnächst in die Falle gehen. Und was mache ich? Richtig – ich trinke ein Glas kühle Weißweinschorle und schreibe euch ein paar Zeilen. Das Wort „Zeilen“ hört sich immer sehr wichtig an, ich könnte ja auch „Sätze“ schreiben, oder „Wörter“. „Wörter“ hört sich gleich ganz anders an, als „Worte“. Härter. Ich kann auch „Scheiße“ schreiben. Genau, ich schreibe ein bisschen Scheiße. Extra für euch. Ist das nicht schön? Gelaber, Gefasel, Geblubber … was weiß denn ich! Kram halt. Krimskrams. Blödsinn. Dinge eben mit blödem Sinn. Beschränktes Zeugs. Ha! Schwachsinn, totalen hirnverbrannten Schwachsinn. Verfasst von einem Schwachsinnigen. Von einem Vollbekloppten. Von einem Irren, Wahnsinnigen, Verrückten, Schizophrenen. Kurz: Von einem Hohlen, Dummen, Blöden, Verpissten … Ach, es gibt so viele schöne Wörter, Worte … Ich bin noch nüchtern, kaum zu glauben. Schade eigentlich. Ich habe festgestellt, man kann sich die Tage auch schön trinken. Schön schreiben allerdings auch. Noch besser, beides zusammen. Aber wie ihr wisst, traue ich mich betrunken nicht an den Roman ran. Auch Blödsinn, denn wer sagt denn, dass der Kram schlecht werden würde? Nicht im Sinne von schimmelig, sondern eher von beschissen. Ist auch egal jetzt. Ich habe Rückenschmerzen. Interessant, nä? Nee? Auch gut. — Jean Coppong hat mir den Titel „Mucho Guscho“ vorgeschlagen. „Über Leben unter Irren“. Ist das nicht ein wunderschöner Titel? Klar, man muss die Geschichte dazu kennen. Und das Cover. Ganz sicher bin ich mir dessen aber noch immer nicht. Kommt gut an das Ding bei den Lesern. Möchte man angeblich nicht aus der Hand legen. Hoffe, das sieht der Herr oder die Frau Lektor genauso. Sollte er oder sie aber vorher nicht diesen Artikel lesen, nicht wahr? Ey Leute, ich mache jetzt Schluss für heute. Bis bald   !

Ich streichele über die Tasten – die Welt steht still, aber nur hier, bei mir, für diesen Augenblick. Da ist er schon wieder, der nächste. Ich bin manchmal so scheiße unausgeglichen, so voller übler Gedanken. Ja doch, manchmal bin ich auch sehr glücklich, so voller schöner Gedanken. Ich rutsche aber immer näher an die Zahl 50 ran, wie ihr wisst, die Zahl, die mir im Leben sehr wichtig ist. Am liebsten würde ich jetzt die Musik aufdrehen, aber nebenan schläft unser Besuch. Ich mache für heute Schluss, kreise dich ein und nehme dich mit ins Bett. Dich, ja genau dich   !

Platten hören und mehr

Der Titel des Allgemeinen ist nicht immer zu erfassen, sondern zu ergründen. Nicht dass ich wüsste, was ich wollte, ich weiß es genauso wenig wie du. Und? Was willst du? Genauso wenig wie ich. Nichts. Oder mehr als nichts? Jaaahh, alles! Nina Hagen singt: Sie will ein Fisch im Wasser sein. Ja, und dann? Leckt mich. Champagner wäre schön, hier reichts nur für Sekt. Söhnlein Brillant. Geht auch. Aber dann? In Zukunft? Keine Ahnung. So ne Scheiße schon am frühen Morgen. Das Knacken der LP – wunderschön. Nina. Nina Hagen. Nina Hagen Band. Mit Spliff. Guter Sound, Profis am Werk. Cosma Shiva Hagen, die Tochter von Nina, wunderschön, nur etwas beschränkt anscheinend. Könnte ja sein. Oder nicht? Wer kennt sie schon? Ich habe sie mal geliebt in meiner Psychose. Vollwahn. Extrawahn. Total verrückt. Wer? Ich? Keine Ahnung. Ich habe keine Zeit jetzt gerade. Und du? Wohl auch nicht, sonst wärst du ja hier, bei mir. Oder willst du nichts mehr mit mir zu tun haben? Könnte ja sein, könnte ich auch verstehen, wollte ich aber nicht verstehen. Leck mich. Alter. Ich fahre nach Paris, irgendwann, um dort zu schreiben. Dann nach Prag und Wien. Spießig, aber schön. Soll ja so sein. Ich bin frei in meinen Gedanken. Selten. Manchmal. Ach, was solls. Lasst mich schlafen. Bis morgen   !

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das geschrieben habe, ich glaube, am Donnerstag oder Mittwoch. — Ich war am Wochenende in Berlin, bei einem meiner besten Freunde. Es war herrlich. Kreuzberg 61, Kreuzberg 36, Neukölln, in diesen Bezirken fühle ich mich zu Hause. Oranienstraße 49 habe ich gelebt, von 87 bis 90, eine prägende Zeit, die ich nicht missen möchte. Nichts ausgelassen, alles mitgenommen, was man in die Hände gekriegt hat. Bringt Erfahrung für’s Leben. Dafür bin ich kaum gereist, habe noch nie Europa verlassen. Allerdings war ich einige Male in anderen Sphären unterwegs, die für den Normalo unerreichbar bleiben. Nichts ist herrlicher als eine Manie zu erleben, einen Wahn, eine Schizophrenie … Interessante Krankheit, lernt man ne Menge über sich. Und über Gott.  Muss nicht alles wahr sein, was man sich da einbildet, was man hört und sieht, aber einiges stimmt schon. Man ist Gott ganz nahe, hat man das Gefühl. Oder man ist selbst Gott, wie in meinem Fall. Egal jetzt. Jetzt bin ich hier, hier am Schreibtisch, die Wanduhr von 1910 tickt gleichmäßig. Ich freue mich sehr über meinen Plattenspieler, über den guten, klaren, warmen Klang in meinem kleinen Zimmer. Habe mir in Berlin Marius und Udoscheiben gekauft, Nina Hagen auch. Von 50 Cent bis 8 Euro. Platten hören ist ja so viel schöner, als sich ne CD reinzuziehen. Das leichte Rauschen, ab und zu ein Knacken, der warme Sound, hier und da mal ein Sprung, das hat was, ehrlich. Ich wünsche euch allen eine schöne Woche, bis bald   !

 

Vollblutschriftsteller und Nikotinbestien

Am 11. Sep. fliege ich nach Amerika. Bis dahin möchte ich unbedingt den neuen Roman noch einmal überarbeiten, das Script dann mitnehmen und dort endgültig zu Ende bringen. Jean aus Hamburg hat den Text jetzt auseinandergenommen und mir wertvolle Tipps gegeben, morgen schickt er ihn mir zu, dann setze ich mich schnellstmöglich ran. Knapp fünf Wochen bleiben mir ja noch. Zurzeit kann ich mich aber nur schwer motivieren, da ich vormittags andere Dinge zu tun habe, als am Schreibtisch zu sitzen, und am Abend bin ich oft zu kaputt, würde der Nachmittag bleiben, doch diesen beansprucht mein Sohn mit mir. Ich will mich gar nicht beschweren, auch wenn ich wirklich gern ein Vollblutschriftsteller wäre – kann ich aber nur werden, wenn endlich ein erfolgreiches Buch zustande kommt. Was soll ich tun? Wieder Verlage anschreiben? Ich glaube schon. Ich kann auch eine 100-Auflage selbst finanzieren, aber was bringt das, außer vielleicht in einem oder zwei Jahren 100 verkaufte Bücher? Vergiss es doch. Also noch einmal ran und die Großen zubomben. Zu verlieren habe ich nichts. Man muss sich aber im klaren darüber sein, dass jeder größere Verlag mindestens 10 unverlangte Manuskripte pro Tag zugesandt bekommt. Jeden Tag! 10! Und es ist mit Sicherheit unendlich viel Schrott dabei. Und natürlich gute Sachen, die trotzdem in der Tonne landen, weil keine Zeit da ist, um die Texte genauer zu prüfen. Max. 30 Seiten zur Leseprobe schickt man hin, ein Exposé und einen Lebenslauf. Das Anschreiben nicht zu vergessen, am besten man hat einen Ansprechpartner, den man persönlich anschreibt. Jaja, nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung, auch nicht, wenn man schon dreißig Jahre drum kämpft. Aber ich war bis jetzt auch noch nicht gut genug, vielleicht sitzt ja der richtige Lektor zur richtigen Zeit am richtigen Platz und findet meine Sachen ansprechend. Ich hoffe, ich gebe erst auf, wenn die Sargnägel versunken sind. Es ist die Anerkennung, wonach der Mensch schreit. Jeder möchte für das, was er tut, Anerkennung und Lob ernten. Und jeder möchte in seinem Fach besser als gut sein, so jedenfalls sollte es sein. Ganz ehrlich, normalerweise müsste ich radikaler werden, um Vollblutschriftsteller zu werden. Nichts mit, ich geh jetzt mal ne Zigarre rauchen und gaffe ne Stunde ins Grüne. Oder, ich setze mich heute Abend mit meiner Frau auf die Terrasse und trinke ein Glas Wein. Radikal wäre, um fünf aufstehen, eine Stunde schreiben, mich um meinen Sohn kümmern, ihn zum Kindergarten bringen, drei bis vier Stunden schreiben, Mittagsschlaf (muss ja wegen der Medikamente sein) und dann ab 20 Uhr wieder für zwei Stunden schreiben. So radikal ist das doch gar nicht. Das hat viel mehr mit Disziplin und Zeit zu tun. Was mache ich? Ich helfe einem Freund beim Renovieren. Diese kostbare Zeit! Nee, echt, das Zigarrerauchen muss weniger werden. Die Sucht hat mich wieder in ihren Klauen. Fuck! Am besten wird es sein, ich nehme keine einzige Zigarre mit in die USA, und ja, in New York betrete ich keinen einzigen Zigarrenladen. Wenn doch das Rauchen nicht so verdammt schön wäre! Gerade das Zigarrerauchen, auf Zigaretten habe ich glücklicherweise überhaupt keine Lust. Die Nikotinbestien kreischen trotzdem nach ihrer Ladung, jeden Tag aufs Neue. Ich bin ein Suchtmensch, war ich schon immer, von Kindheit an, ich weiß selbst, dass das keine Entschuldigung sein kann, man kann kämpfen und gegen an gehen. Ich bin der Typ, der meistens den einfachen Weg geht … ach, lassen wir das. Vielleicht schreibe ich morgen noch zwei, drei Sätze, mal sehen. Erst mal Gute Nacht   !

Bis zur Nasenspitze!

Die Welt ist nicht dazu da, um sie auseinanderzunehmen, sei es in philosophischer Form noch im Krieg und Kampf. Die Freiheit zählt, die Kunst kann zur Freiheit führen, zumindest zur seelischen Freiheit. Aber nicht immer zur leiblichen, denn in manchen Ländern werden Künstler ermordet. Hier war es ja einst auch so. Die Seelen sind dann hoffentlich frei. Doch wer weiß das schon? Viele glauben so viel zu wissen, sie behaupten Dinge, die sie gar nicht wissen können. Die nur die Toten wissen können, falls die Toten etwas wissen können. Können sie? Manch einer bahuptet das. Gibt es das Paradies? Ist nicht die Erde das Paradies, das wir missbrauchen und in den Tod stürzen? Tun wir. Will natürlich keiner hören und lesen und wahrhaben. Immer schön alles schön reden, Augen zu, nicht hinsehen, Ohren zu, lieber die Fußballergebnisse verfolgen und kleingeistig bleiben. Ja, kleingeistig, bis zur Nasenspitze, höchstens, oder? Ich will nicht sagen, dass ich geistvoller bin, und schon gar nicht das, was ich schreibe. Aber immerhin kann ich schreiben, viele können es nicht, weil sie keine Gelegenheit haben, es zu lernen. Wer spricht denn noch richtig Deutsch? Ärzte? Nee, nicht einmal die. Das hat nichts mit Ausländern zu tun, ich rede hier von deutschen Ärzten. Sogar Lehrer sprechen falsch, ehrlich. Sie schreiben auch falsch, ich frage mich, wie sie Lehrer geworden sind. Lehrermangel zurzeit, sie stellen jeden ein, vielleicht sollte ich mich mal bewerben, als Sportlehrer. Ich konnte nämlich mal laufen und springen und werfen. Ein bisschen Fußball hatte ich auch drauf. Ja, ich bewerbe mich mal, dann werde ich Beamter. Oder heißt es Beamte? Hm, seht ihr, da hört es schon auf. Es hört da schon auf, wo es gerademal anfängt. Was wollt ihr denn von mir? Freies Schreiben? Surrealismus? Ich schwebe auf der Bahn unter dem Felsen in die Sphäre ohne Gefühl, wo ich am Ende hinkomme, weiß nur der Gott, den es nicht gibt hier auf Erden, im Himmel aber auch nicht, in der Hölle? – und dann bin ich noch nicht ganz angekommen, denn der Erzengel Michael hat noch einen Streich parat, den er aber nicht verrät, weil er ihn aufheben möchte für die Allmacht usw. Mehr davon? Dann gebt mir Drogen – alles, was ihr findet. Scheiß drauf. Naturalismus? Ich weiß nicht. Genauso, wie es die Natur vorgibt? Kann man denn so bescheuert sein wie ich? Ja, du kannst das bestimmt. Ja, dich meine ich, dich da drüben auf der anderen Seite der Plattform. Unter mir. Ich stehe über dir. Du liegst unter mir. Du sitzt auf mir. Ich werfe dich an die Decke, du kreischt auf und atmest schwer, mein Nachbar entflammt das Feuerzeug und blendet meine Augen, die ich kaum noch aufbekomme vor lauter Rauch. Der Rauch benebelt auch gar nicht meine Sinne, ich vertrage ihn. Seht ihr ja. Spielerisch zeichne ich Wörter an die Wand, hier ist alles voll. Alles gekauft, alles auf Kredit. Ihr seid ja vollkommen behämmert, wenn ihr das hier immer noch lest. Herzlichen Glückwunsch, jetzt haben Sie schon 900 Punkte, 800 dürfen Sie haben, Sie haben das Ziel überschritten, aber keine Angst, ich bin bei Ihnen. Nüchtern. NÜCHTERN? Glaubt mir keiner. Würde ich auch nicht glauben. Stimmt nämlich auch nicht. Jetzt haben Sie schon 970 Punkte, gleich tillen Sie. Spätestens beim nächsten Tritt. Wir neigen dazu, uns beleidigen zu lassen, um uns aufregen zu können. 1000 Punkte, Sie stürzen ab, in die Tiefe der Unendlichkeit. Dann viel Spaß noch. Ich wünsche Ihnen auf der Höllenfahrt alles erdenklich Gute, Auf Wiedersehn, bis die Tage   !

Blogpause

Es ist Mittwochabend, ich komme gerade aus dem Havana, habe Salat gegessen, ein Glas Wein und einen Ouzo getrunken. Jetzt ist schon Donnerstagabend. Und jetzt ist schon Samstagmorgen, halb sieben. Sonntagabend, 23 Uhr. Eigentlich müsste ich schon im Bett liegen, morgen um 5.45 Uhr heißt es aufzustehen. Mir fällt aber auch nichts, rein gar nichts ein, was ich schreiben könnte. Es passiert ja auch nichts. Montagabend, halb zehn. Es fällt mir schwer, dass Gewicht zu halten, ich bin ziemlich unausgeglichen zurzeit, esse dann Süßigkeiten.

Es sieht nach Blogpause aus, ehrlich jetzt. Sommerloch vielleicht. Könnte ja sein. Rechnet nicht damit, dass in nächster Zeit etwas kommt. Ich arbeite momentan lieber am neuen Roman, den jetzt schon einige Leute gelesen und kritisiert haben. Gute Ideen sind zusammengekommen, Anregungen, auch Komplimente. Die Frauen sagen, zu viel Sex, die Männer sagen, zu wenig Sex. Den Schluss habe ich schon geändert, mittendrin auch einiges. Jetzt wird das Ding noch einmal von vorne bis hinten durchleuchtet, dann geht es an die nächsten Leser. — Ach ja, morgen zieht Uroma bei uns aus. Wir haben ein dreiviertel Jahr unser Bestes gegeben und sie gepflegt. Sie hat nun selbst gemerkt, dass alle am Ende ihrer Kräfte sind, sie natürlich auch. So haben wir also ab morgen wieder das Haus zu dritt, es wird wundervoll. Uroma zieht in eine nette Seniorenresidenz. Es war für alle eine Erfahrung, vor allem auch für unseren Sohn, der anfangs noch sehr gegen den Einzug war, jetzt aber sagt, er besuche Oma jeden Tag. Sie wird nächstes Jahr 95 und ist im Kopf noch ziemlich fit, der Körper beginnt halt zu streiken. Sehr schön, dass sie bei klarem Verstand in die Seniorenresidenz kommt, mit dem Gefühl, sich selbst für diesen Weg entschieden zu haben. Jetzt habe ich vielleicht ein bisschen zu viel Privates erzählt, kann sein, aber wir sind ja unter uns, nicht wahr? Nee, wohl nicht. Egal. Ich wünsche euch eine schöne Woche, ihr werdet von mir hören. Kann dauern, oder auch nicht, keine Ahnung   !